Die Follikulometrie ist eine grundlegende Untersuchungsmethode, die den Zeitpunkt des Eisprungs (Ovulation) durch die sonografische Überwachung der Follikelentwicklung in den Eierstöcken bestimmt. Diese Methode ermöglicht eine präzise zeitliche Planung im Rahmen des Kinderwunschs und zeigt die Regelmäßigkeit der ovulatorischen Funktion objektiv auf.

Die Follikelwachstumsrate ermöglicht im Rahmen der follikulometrischen Kontrollen eine langfristige Beurteilung des Ovulationsmusters. Dieser Ansatz unterstützt die Therapieplanung, indem er den Einfluss der hormonellen Veränderungen innerhalb des Zyklus auf den Follikeldurchmesser differenziert darstellt.

Unter den Methoden der Ovulationsüberwachung bietet die Follikulometrie durch die gleichzeitige Messung der Endometriumdicke eine hohe Genauigkeit bei der Bestimmung der Implantationstauglichkeit. Diese Beurteilung umfasst kritische Parameter, die die klinischen Entscheidungen in der Abklärung der Unfruchtbarkeit maßgeblich steuern.

Bei der Interpretation der ovariellen Reserve liefert die Follikulometrie durch die detaillierte Darstellung der Antralfollikelzahl und der Entwicklungsmuster eine Prognose über die reproduktive Kapazität. Diese Informationen stellen einen wichtigen Referenzwert für die Erstellung individueller Therapie­strategien dar.

WissenswertesInformationen
Definition / ZweckDie Follikulometrie ist ein bildgebendes Verfahren, das durchgeführt wird, um den Zeitpunkt der Ovulation (Eisprung) zu bestimmen, indem die Follikelentwicklung in den Eierstöcken mittels Ultraschall verfolgt wird. Sie wird insbesondere eingesetzt, um die Eizellreifung bei IVF-Behandlungen zu überwachen.
Erstuntersuchung (Basaler Ultraschall)Mit dem basalen Ultraschall, der am 2. oder 3. Tag des Menstruationszyklus durchgeführt wird, werden die ovarielle Reserve (Antralfollikelzahl), die Struktur der Eierstöcke und die Gebärmutterschleimhaut beurteilt.
Kontrolle während der StimulationNach der Stimulation der Eierstöcke mit Medikamenten werden Anzahl, Durchmesser und Wachstumsrate der sich entwickelnden Follikel durch regelmäßige Ultraschallkontrollen überwacht. Die Dicke der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) wird im Rahmen dieser Kontrollen ebenfalls gemessen.
Follikelreife und TimingFollikel gelten im Allgemeinen als reif, wenn sie eine Größe von 18–20 mm erreichen. In dieser Phase wird eine Auslösespritze (hCG oder GnRH-Agonist) verabreicht, und die Eizellentnahme wird üblicherweise 34–36 Stunden danach geplant.
Beurteilung des EndometriumsNeben der Follikelentwicklung werden auch Dicke und Struktur der Gebärmutterschleimhaut, an der sich der Embryo einnisten soll, überwacht. Eine ausreichende Dicke und ein geeignetes Muster sind für den Embryotransfer wichtig.
RisikomanagementDurch die Kontrollen kann das Risiko einer Überstimulation (Ovarielles Hyperstimulationssyndrom – OHSS) erkannt werden. Je nach Follikelzahl und Hormonwerten können die erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden.
Bedeutung im IVF-ProzessDie Follikulometrie stellt sicher, dass der IVF-Prozess korrekt verläuft, und trägt dazu bei, das Timing möglichst optimal festzulegen.
DurchführungSie wird mittels vaginalem Ultraschall durchgeführt. Die Patientin wird in gynäkologischer Untersuchungsposition beurteilt. Der Eingriff ist in der Regel schmerzfrei und kurz.
dr.melih web foto Follikulometrie

Op. Dr. Ömer Melih Aygün
Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe / Erfahrener Spezialist für Unfruchtbarkeit

Von dem türkischen Gesundheitsministerium zertifizierter Spezialist für Unfruchtbarkeit. Seit 1997 Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Erfahrener Spezialist für Unfruchtbarkeit mit mehr als zwanzig Jahren Erfahrung in der Privatmedizin. 25 Jahre internationale Berufserfahrung.

In den letzten 9 Jahren hat er über 15.000 Eizellentnahmen durchgeführt.

Ein selbstständiger Profi mit ausgeprägten Kommunikations- und Problemlösungsfähigkeiten. Verfügt über ausgezeichnete zwischenmenschliche Fähigkeiten, um Konsens zu schaffen und Teamarbeit zu fördern.

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Was ist Follikulometrie?

Die Follikulometrie ist der Prozess der Überwachung der Ovarialfollikel mittels Ultraschall. Sie wird durchgeführt, um den Eisprungzeitraum bei Frauen zu bestimmen und reproduktionsmedizinische Behandlungen zu steuern. Insbesondere bei IVF (In-vitro-Fertilisation) und Inseminationsbehandlungen wird sie zur Kontrolle der Eizellreifung eingesetzt. Mit dieser Methode werden Follikeldurchmesser, -anzahl und die Dicke der Gebärmutterschleimhaut beurteilt, um den optimalen Zeitpunkt zu bestimmen.

Warum wird die Follikelkontrolle mit einem „vaginalen Ultraschall“ durchgeführt?

Das Verfahren, das bei der Eizellüberwachung in der IVF-Therapie als „Goldstandard“ gilt, ist die transvaginale Sonografie, also der vaginal durchgeführte Ultraschall. Es gibt sehr klare technische und praktische Gründe dafür, dass diese Methode dem abdominalen Ultraschall vorgezogen wird.

Der wichtigste Grund ist die Bildqualität. Die vaginale Ultraschallsonde (der Teil des Geräts, der in den Körper eingeführt wird) liefert Bilder aus einer Position, die den Eierstöcken und der Gebärmutter sehr nahe ist. Dadurch werden Schichten, die das Bild beeinträchtigen könnten – wie Fettgewebe der Bauchdecke oder Darmgase – umgangen. Infolgedessen erhält man ein deutlich klareres, hochauflösendes und detailliertes Bild der Eierstöcke, der darin befindlichen Follikel (Eibläschen) und der Gebärmutterschleimhaut. Mit dieser Methode lassen sich selbst sehr kleine Follikel von 2–3 mm Größe klar erkennen und zählen.

Es gibt auch einen praktischen Vorteil für die Patientinnen. Im Gegensatz zum abdominalen Ultraschall ist beim vaginalen Ultraschall keine gefüllte Harnblase erforderlich. Im Gegenteil, es wird darum gebeten, die Blase unmittelbar vor der Untersuchung zu entleeren. Das macht den Eingriff für die Patientin deutlich komfortabler. Die Untersuchung selbst ist in der Regel schmerzfrei, kann nur ein leichtes Druckgefühl verursachen und dauert etwa 5–10 Minuten.

Warum ist der „basale Ultraschall“ vor der Behandlung so wichtig?

Der follikulometrische Prozess beginnt mit einer kritischen Untersuchung, dem sogenannten „basalen Ultraschall“, der in der Regel am 2. oder 3. Tag des Menstruationszyklus durchgeführt wird. Dieser Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt; in dieser Phase sind die Hormonspiegel am niedrigsten und die Eierstöcke befinden sich in einem „ruhigen“ oder „Ruhe“-Zustand.

Dieser erste Ultraschall hat zwei Hauptziele. Erstens soll sichergestellt werden, dass in den Eierstöcken keine vom Vormonat verbliebene Zyste oder dominanter Follikel vorhanden ist, die/der Hormone produzieren und die Behandlung negativ beeinflussen könnte. Zweitens – und am wichtigsten – wird die ovarielle Reserve der Patientin beurteilt. Die gesamte Behandlungsstrategie wird auf Basis der bei dieser Erstuntersuchung gewonnenen Daten gestaltet.

Der basale Ultraschall ist weit mehr als eine einfache Routinekontrolle; er fungiert als eine Art „Fahrplan“ oder Prognoseinstrument, das festlegt, wie die Behandlung verlaufen wird. Die Daten, die während dieser etwa zehnminütigen Untersuchung gesammelt werden, ermöglichen es, ein Standardbehandlungsschema in eine auf die individuelle Physiologie der Patientin „personalisierte“ Strategie zu überführen.

Was wird beim basalen Ultraschall beurteilt und warum ist dies für die „Follikulometrie“ notwendig?

Diese Erstuntersuchung betrachtet drei Hauptkomponenten, die das Behandlungsprotokoll bestimmen. Bei diesem ersten Screening werden mehrere Schlüsselpunkte überprüft, die die Therapieplanung steuern.

  • Antralfollikelzahl (AFC)
  • Allgemeine Struktur und Volumen der Eierstöcke
  • Zustand der Gebärmutter (Kontrolle auf Myome und Polypen)
  • Dicke der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium)

Der wichtigste Faktor in dieser Beurteilung ist die Antralfollikelzahl (AFC). Dabei handelt es sich um die Gesamtzahl der kleinen, „stimulationsbereiten“ Follikel (Eibläschen) zwischen 2 mm und 10 mm in beiden Eierstöcken. Die AFC ist der stärkste Prädiktor dafür, wie gut die Eierstöcke in diesem Zyklus auf die Behandlung ansprechen werden.

Niedrige AFC (in der Regel < 5–7 Follikel insgesamt): Dies stärkt die Prognose einer „schwachen ovariellen Antwort“. Bei diesen Patientinnen werden in der Regel höhere Dosen von stimulierenden Medikamenten geplant, um den maximalen Nutzen aus der geringen Anzahl vorhandener Follikel zu ziehen.

Hohe AFC (in der Regel > 15–20 Follikel insgesamt): Dies zeigt, dass die Eierstöcke sehr stark, möglicherweise sogar „übermäßig“ auf die Behandlung reagieren können. Diese Patientinnen haben ein hohes Risiko für das Ovarielle Hyperstimulationssyndrom (OHSS). Um dieses Risiko zu minimieren, wird die Behandlung bewusst mit deutlich niedrigeren, konservativen Medikamentendosen begonnen.

Kurz gesagt: Die basale AFC-Bestimmung ist die Schlüsselinformation, die sowohl die Dosierung als auch die Sicherheitsstrategie der Behandlung festlegt.

Wie werden Ultraschallbefunde mit Blutuntersuchungen kombiniert?

Die Daten des basalen Ultraschalls werden niemals isoliert interpretiert. Um die ovarielle Reserve genauer und zuverlässiger zu beurteilen, werden diese anatomischen Befunde mit biochemischen (hormonellen) Markern kombiniert. Dadurch entsteht gewissermaßen ein „Cross-Check-System“, das verhindert, dass aufgrund eines einzelnen, irreführenden Tests falsche Entscheidungen getroffen werden.

Die wichtigsten Hormone in diesem Panel sind:

  • Anti-Müller-Hormon (AMH)
  • FSH (Follikelstimulierendes Hormon)
  • Estradiol (E2)

AMH wird von kleinen Follikeln produziert und ist einer der sensitivsten Marker für die ovarielle Reserve; sein Spiegel verläuft in der Regel parallel zur im Ultraschall gezählten Antralfollikelzahl. FSH wird im Gehirn gebildet, um die Eierstöcke zu stimulieren; ist die Reserve gering, „ruft“ das Gehirn stärker, und der FSH-Spiegel steigt.

Der Wert dieses Cross-Checks zeigt sich etwa in folgendem Beispiel: Der basale FSH einer Patientin kann im „Normbereich“ liegen. Wenn jedoch der gleichzeitig gemessene E2-Spiegel hoch ist, kann dies eine zugrunde liegende, „maskierte“ Ovarialinsuffizienz verbergen. An dieser Stelle wird der Ultraschall entscheidend. Wird im Ultraschall ebenfalls eine niedrige AFC festgestellt, bestätigt dies die vom erhöhten E2 angezeigte schlechte Reserve und verhindert, dass der scheinbar normale FSH fälschlicherweise beruhigt. Ihr Arzt betrachtet dieses Gesamtbild und kann so einen realistischeren Behandlungsplan erstellen.

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Wie wird die Follikelkontrolle während der Stimulation der Eizellen durchgeführt?

Nach Beginn der eizellstimulierenden Injektionen (Gonadotropine) verlagert sich der Fokus der follikulometrischen Kontrolle auf eine „dynamische“ Überwachung. Das Ziel besteht nun darin, die Reaktion auf die Behandlung laufend zu beobachten. Nach Beginn der Injektionen konzentriert sich die Kontrolle auf mehrere Hauptaspekte.

  • Wachstumsrate der Follikel
  • Gesamtzahl der Follikel
  • Dicke der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium)
  • Muster (Struktur) der Gebärmutterschleimhaut

Bei jeder Ultraschallkontrolle werden Anzahl und Größe aller sich entwickelnden Follikel in beiden Eierstöcken präzise dokumentiert. Bei einer typischen Therapieantwort beginnt eine Gruppe von Follikeln gemeinsam zu wachsen. Es wird erwartet, dass diese Follikel etwa 2–3 mm pro Tag zunehmen.

Gleichzeitig wird die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), in die sich der Embryo einnisten soll, engmaschig überwacht. Durch das von den wachsenden Follikeln produzierte Östrogen sollte die Schleimhaut dicker werden und eine bestimmte Struktur annehmen. Zwei Hauptparameter werden beurteilt: Dicke und Muster. Am Tag der geplanten „Auslösespritze“ sollte die Dicke in der Regel mehr als 7 mm betragen, idealerweise 8 mm oder mehr. Das Muster sollte „trilaminär“, also „dreischichtig“ sein – dies ist das beste Zeichen dafür, dass die Schleimhaut in einem hochrezeptiven Zustand für die Embryoimplantation ist.

Wie häufig sind Kontrollen (Follikulometrie) während der Eizellstimulation notwendig?

Der Prozess der Eizellentwicklung folgt keinem rigiden, festen Zeitplan; vielmehr funktioniert er als „dynamischer Rückkopplungszyklus“. Das bedeutet, dass die Daten aus jedem Besuch (Ultraschallmessungen und Blutwerte) die klinischen Entscheidungen der nächsten Tage (Änderung der Medikamentendosis, Terminierung des nächsten Kontakts) direkt bestimmen.

Eine Patientin mit langsamer Reaktion wird beispielsweise für einen Kontrolltermin in drei Tagen einbestellt, während eine Patientin mit sehr schneller Reaktion bereits am nächsten Tag zur engmaschigen Überwachung wiederkommen muss. Dieser Prozess verläuft bei jeder Patientin individuell.

Im Rahmen eines typischen IVF-Stimulationsprotokolls kommen die Patientinnen während der 8–13-tägigen Stimulationsphase im Allgemeinen zu insgesamt etwa 5 bis 7 Kontrollbesuchen.

Warum wird die Ultraschallkontrolle (Follikulometrie) zusammen mit Blutuntersuchungen durchgeführt?

Die Stärke des Monitorings in der IVF liegt in der Synergie dieser beiden Datenströme. Diese doppelte Überwachung ist für die Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlung von entscheidender Bedeutung.

In einer einfachen Analogie:

Der Ultraschall zeigt die „physische Größe“ der Follikel (Eibläschen). Man kann sie sich als „Fabriken“ vorstellen.

Die Blutuntersuchung (Serum-Estradiol – E2) zeigt die „Produktion“, also wie aktiv diese Fabriken arbeiten.

Bei einer gesunden und synchronen Antwort sollten das anatomische Wachstum im Ultraschall und der funktionelle Anstieg im Blutbild miteinander im Einklang stehen. Mit zunehmender Follikelgröße wird erwartet, dass der E2-Spiegel deutlich ansteigt.

Durch diese duale Überwachung lassen sich mögliche Diskrepanzen erkennen. Wenn im Ultraschall beispielsweise 10 große Follikel zu sehen sind, der E2-Spiegel jedoch sehr niedrig ist, weckt dies den Verdacht auf eine schlechte Follikelqualität oder das Vorliegen „leerer Follikel“. Umgekehrt lässt ein hoher E2-Spiegel bei wenigen sichtbaren Follikeln an eine funktionelle Zyste denken, die möglicherweise übersehen wurde. Diese Synergie ist notwendig, um die Behandlung korrekt zu steuern.

Wie legt die Follikulometrie den Zeitpunkt der „Auslösespritze“ fest?

Die Entscheidung zur Verabreichung der „Auslösespritze“ (meist hCG oder ein GnRH-Agonist) ist der kritischste Moment im IVF-Zyklus. Diese Injektion löst den finalen Reifungsprozess der Eizelle aus. Die Eizellentnahme (OPU) wird sehr präzise 34–36 Stunden nach dieser Injektion geplant, unmittelbar bevor die Follikel spontan aufplatzen würden.

Sie können dieses Timing mit dem „Pflücken von Früchten“ vergleichen:

  • Wird die Injektion zu früh verabreicht, sind viele der gewonnenen Eizellen „unreif“ (unreife Früchte).
  • Wird sie zu spät verabreicht, steigt das Risiko einer „spontanen Ovulation“, bei der die Follikel von selbst aufplatzen und alle Eizellen verloren gehen (Früchte fallen zu Boden).

Die Schwierigkeit besteht darin, dass nicht alle Follikel eines Eierstocks gleichzeitig reifen. Während ein Follikel vollständig ausgereift ist, kann ein anderer noch etwas zurückliegen. Ziel ist es, die „goldene Mitte“ zu finden, bei der die maximale Anzahl qualitativ hochwertiger, reifer Eizellen gewonnen werden kann.

Bei dieser Entscheidung werden mehrere Kriterien berücksichtigt.

  • Größe der dominanten Follikel (in der Regel 17–18 mm und größer)
  • Größe der nachfolgenden Kohorte (wenn die übrigen Follikel 15–16 mm erreicht haben)
  • E2-Spiegel (muss mit der Follikelzahl im Einklang stehen)
  • Zustand der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium)
  • Risiko einer verfrühten Ovulation (Progesteronkontrolle)

Wie hilft die Follikulometrie, das Risiko eines OHSS (Ovarielles Hyperstimulationssyndrom) zu verhindern?

Auch wenn das primäre Ziel der Follikulometrie der Behandlungserfolg ist, besteht ihre wohl wichtigste Funktion darin, die Sicherheit der Patientin zu gewährleisten. Eine IVF-Behandlung bringt die Eierstöcke über ihre normalen physiologischen Grenzen hinaus und birgt damit das Risiko einer pathologischen Reaktion, die als Ovarielles Hyperstimulationssyndrom (OHSS) bezeichnet wird.

OHSS ist eine potenziell schwerwiegende Komplikation, die durch stark vergrößerte Eierstöcke, eine erhöhte Gefäßpermeabilität und Flüssigkeitsaustritt aus den Gefäßen mit Ansammlung im Bauchraum und gelegentlich im Brustraum gekennzeichnet ist.

Die Follikulometrie (Ultraschall- und E2-Monitoring) dient als primäres „Frühwarnsystem“ für diese Situation.

  • Ultraschall-Warnzeichen: Entwicklung einer sehr hohen Anzahl von Follikeln (in der Regel > 20–25 insgesamt) und rasche Zunahme des Ovarialvolumens.
  • Endokrine Warnzeichen: Sehr hohe oder sehr rasch ansteigende Serum-E2-Spiegel.

Wenn ein Risiko festgestellt wird, werden sofort Sicherheitsprotokolle aktiviert:

  • Dosisreduktion der Medikamente
  • „Coasting“ (vorübergehendes Pausieren der Medikamente für 1–2 Tage)
  • Auswahl der geeigneten Auslösespritze (Trigger mit GnRH-Agonist)
  • „Freeze-all“-Strategie (Alles einfrieren)

Die beiden letzten Strategien sind dabei die wirksamsten. Bei Hochrisikopatientinnen wird anstelle der klassischen hCG-Injektion ein „GnRH-Agonist“ als Trigger eingesetzt. Dadurch wird das OHSS-Risiko nahezu vollständig eliminiert. Zusätzlich wird eine „Freeze-all“-Strategie angewendet. Das bedeutet, dass die Eizellen entnommen und befruchtet werden und alle entwickelten, gesunden Embryonen eingefroren werden. Nachdem sich der Körper der Patientin erholt und normalisiert hat, wird im Folgemonat ein Transfer der aufgetauten Embryonen in eine ruhige und sichere Gebärmutterumgebung durchgeführt. Dies ist ein moderner Ansatz, der die Sicherheit maximal erhöht.

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    Wie zuverlässig sind diese Eizellmessungen (Follikulometrie)?

    Dies ist eine der wesentlichen Herausforderungen der Behandlung. Manuelle 2D-Ultraschallmessungen unterliegen einem menschlichen Faktor, der als „Operatorvariabilität“ bezeichnet wird. Das bedeutet, dass die von zwei unterschiedlichen Fachärzten oder vom gleichen Facharzt zu verschiedenen Zeitpunkten vorgenommenen Messungen leicht voneinander abweichen können. Dies kann insbesondere dann verwirrend sein, wenn die Follikelmessungen in der Nähe kritischer Grenzwerte liegen.

    Die Technik entwickelt sich jedoch weiter, um dieses Problem zu lösen. 3D-Ultraschall und automatisierte Follikelzählsysteme (z. B. KI-gestützte Plattformen wie SonoAVC) sind sehr effektiv bei der Reduktion dieser Variabilität. Diese Systeme erfassen das gesamte „volumetrische“ Bild des Eierstocks und identifizieren, zählen und vermessen die Follikel automatisch.

    Die Vorteile automatisierter Systeme sind klar:

    • Schnellere Messung
    • Weniger Bedienerfehler
    • Standardisierung (gleichbleibende Messqualität)
    • Volumetrische (3D-)Messung (genauer bei irregulären Follikeln)

    Interessanterweise haben wissenschaftliche Studien bislang nicht zeigen können, dass diese – nachweislich genaueren und effizienteren – Instrumente die Schwangerschaftsraten im Vergleich zu einem von einem erfahrenen Spezialisten durchgeführten 2D-Ultraschall direkt erhöhen. Der Grund dafür ist, dass der 2D-Ultraschall, auch wenn er nicht perfekt präzise ist, für kritische Entscheidungen wie die Festlegung des Auslösemoments „ausreichend gut“ ist.

    Warum ist die Follikulometrie bei Patientinnen mit Polyzystischem Ovarsyndrom (PCOS) anders?

    Patientinnen mit Polyzystischem Ovarsyndrom (PCOS) stellen in der IVF-Therapie eine besondere und bedeutsame Herausforderung dar. Ein PCOS-Ovar weist typischerweise eine sehr hohe Anzahl kleiner Antralfollikel auf.

    Eine hohe basale AFC macht diese Patientinnen extrem empfindlich gegenüber stimulierenden Medikamenten und prädestiniert sie für eine sehr starke Reaktion.

    In diesem Zusammenhang unterscheidet sich die klinische Rolle der Follikulometrie bei PCOS-Patientinnen von der bei anderen Patientengruppen. Bei diesen Patientinnen ist das primäre Ziel der Überwachung weniger die Förderung des Wachstums, sondern vielmehr die sorgfältige Steuerung und „Bremse“ einer potenziell „explosiven“ Reaktion. Dies lässt sich mit dem Fahren eines Hochleistungs-Sportwagens vergleichen: Man muss sehr feinfühlig Gas geben und den Fuß stets bremsbereit halten.

    Die Herausforderungen und Ziele bei der Überwachung von PCOS-Patientinnen sind anders:

    • Sehr hohes Risiko für OHSS
    • Sehr große Follikelzahl (manuelles Zählen erschwert)
    • Ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Medikamenten
    • Gelegentlich beobachtetes paradoxes Wachstumsstoppen

    Daher wird die Behandlung bei PCOS-Patientinnen nahezu immer mit sehr niedrigen Medikamentendosen begonnen, die Kontrollen erfolgen sehr häufig, und insbesondere die Kombination aus „GnRH-Agonist-Trigger“ und „Freeze-all“-Strategie gilt für diese Patientengruppe als Standard-Sicherheitsprotokoll.

    Was ist das Ziel der follikulometrischen Kontrolle bei Patientinnen mit niedriger ovarieller Reserve (Poor Responder)?

    Am anderen Ende des Spektrums stehen Patientinnen mit „schwacher ovarieller Antwort“ (Poor Ovarian Responders – POR). Diese Gruppe umfasst meist Frauen höheren reproduktiven Alters und/oder mit niedriger AFC und niedrigem AMH, die trotz maximaler Medikamentendosen nur unzureichend reagieren (typischerweise werden 3 oder weniger Eizellen gewonnen).

    Bei POR-Patientinnen konzentriert sich die Rolle der Follikulometrie auf „Maximierung“ und „Beurteilung der Sinnlosigkeit“. Bei einer ohnehin begrenzten Follikelanzahl besteht das Ziel darin, das Potenzial jedes einzelnen Follikels maximal zu nutzen und gleichzeitig den Punkt zu erkennen, an dem die Erfolgsaussichten so gering werden, dass eine Fortführung der Behandlung nicht mehr sinnvoll ist. Es geht hier nicht darum, viele Eizellen zu gewinnen, sondern um die Qualität der wenigen reagierenden Eizellen.

    Die Überwachung in dieser Patientengruppe beantwortet drei zentrale Fragen:

    • Wie lassen sich die vorhandenen 1–3 Follikel bestmöglich stimulieren und entwickeln?
    • Zu welchem Zeitpunkt sollte die Entscheidung zum Abbruch des Zyklus getroffen werden (der Moment, in dem ein Weitermachen keinen Sinn mehr hat)?
    • Wie lässt sich ein asynchrones Wachstum steuern?

    Bei dieser herausfordernden Patientengruppe können Technologien, die über den 2D-Ultraschall hinausgehen (z. B. Doppler-Ultraschall zur Darstellung der Follikeldurchblutung oder 3D-Volumenmessung), zusätzliche Hinweise auf die potenzielle Qualität dieser wenigen, aber sehr wertvollen Follikel liefern. Diese Daten können helfen, die schwierige Entscheidung zu treffen, ob der Zyklus fortgeführt oder abgebrochen werden soll.

    Häufig gestellte Fragen

    Die Follikulometrie hilft, die Eizellreife indirekt zu beurteilen, indem sie die Größe und Anzahl der Follikel verfolgt. Sie misst jedoch nicht direkt die Eizellqualität, sondern liefert lediglich einen Anhaltspunkt.

    Bei einer IVF-Behandlung beginnt die Follikulometrie in der Regel am 2.–3. Tag des Menstruationszyklus und wird bis zum Tag der Eizellentnahme mehrfach wiederholt. Die Häufigkeit der Kontrollen wird individuell entsprechend der hormonellen Antwort festgelegt.

    Der ideale Follikeldurchmesser vor der Eizellentnahme liegt meist im Bereich von 18–22 mm. Follikel, die diese Größe erreicht haben, enthalten mit höherer Wahrscheinlichkeit reife Eizellen.

    In der Regel gelten 8–15 reife Follikel als ausreichend für eine IVF. Faktoren wie Alter, ovarielle Reserve und Reaktion auf frühere Behandlungen beeinflussen diese Zahl jedoch.

    Bei Patientinnen mit PCOS können zahlreiche kleine Follikel sichtbar sein. Dies erschwert die Ovulationsüberwachung. Die follikulometrische Beurteilung wird daher immer zusammen mit den Hormonwerten interpretiert.

    Ja, während der Follikulometrie wird auch die Dicke der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) gemessen. Eine ausreichende Dicke ist für die Einnistung des Embryos von großer Bedeutung.

    Die Follikulometrie ist sehr effektiv bei der Vorhersage des Zeitpunktes der Ovulation. Sie spielt insbesondere bei der Festlegung des exakten Zeitpunkts für die Auslösespritze eine kritische Rolle.

    Bei niedriger ovarieller Reserve kann die Follikelzahl begrenzt sein. Deshalb werden Wachstumsrate und Entwicklung der Follikel sehr engmaschig überwacht. Der Behandlungsplan wird häufig anhand der follikulometrischen Daten angepasst.

    Zysten weisen in der Regel eine stabile, homogene Struktur auf. Follikel hingegen zeigen ein dynamisches Wachstums- und Entwicklungsmuster. Ein erfahrener Spezialist kann diese Strukturen im Ultraschall leicht voneinander unterscheiden.

    Die Follikulometrie bestimmt wichtige Therapieentscheidungen wie die Anpassung der Medikamentendosierung, den Zeitpunkt der Auslösespritze und den Tag der Eizellentnahme. Daher spielt sie eine zentrale Rolle für den Erfolg einer IVF-Behandlung.

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