Der HBs Ag-Test weist das Vorhandensein des Hepatitis-B-Oberflächenantigens nach und zeigt eine aktive HBV-Infektion an. Er wird bereits in der frühen Phase der Infektion positiv und spielt eine entscheidende Rolle bei der Bewertung der Ansteckungsfähigkeit. Er liefert schnelle und verlässliche diagnostische Informationen für das klinische Management.
Die Messung der HBs-Ag-Spiegel liefert wichtige Hinweise zur Unterscheidung zwischen akuter und chronischer Infektion. Die Antigenkonzentration trägt zur Beurteilung der Virusaktivität bei und unterstützt die Festlegung der notwendigen Kontrollintervalle. So können Überwachungsstrategien korrekt geplant werden.
Das HBs-Ag-Screening während der Schwangerschaft dient dazu, eine mütterliche HBV-Infektion zu erkennen und die vertikale Übertragung zu verhindern. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht eine rechtzeitige Neugeborenen-Prophylaxe und verringert das Risiko hepatitbedingter neonataler Komplikationen. Das Screening ist ein fester Bestandteil nationaler Gesundheitsprogramme.
Die HBs-Ag-Überwachung hilft, Infektionen in Risikogruppen frühzeitig zu erkennen. Regelmäßige Kontrollen ermöglichen die Identifizierung chronischer Träger, unterstützen die Entscheidung für eine antivirale Therapie und tragen zur Eindämmung der Übertragungsketten in der Bevölkerung bei.
| Wissenswertes | Informationen |
| Definition / Zweck | Der HBsAg-Test (Hepatitis-B-Oberflächenantigen) ist ein serologischer Test, der bestimmt, ob eine Person mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert ist. Er dient der Diagnose einer aktiven Infektion. |
| Was wird gemessen? | Es wird untersucht, ob das Oberflächenantigen (HBsAg) des Hepatitis-B-Virus im Blutkreislauf vorhanden ist. Ein positiver Befund zeigt an, dass sich das Virus im Körper befindet. |
| Positives Ergebnis | Ein positives HBsAg-Ergebnis zeigt, dass die Person das Hepatitis-B-Virus trägt und infiziert ist. Die Infektion kann akut (neu) oder chronisch (langjährig) sein. Infizierte Personen können das Virus weitergeben. |
| Negatives Ergebnis | Ein negatives HBsAg-Ergebnis zeigt, dass keine aktive Hepatitis-B-Infektion vorliegt. Dies kann bedeuten, dass die Person nie infiziert war oder dass sie eine frühere Infektion bereits überwunden hat. |
| Für wen ist der Test? | Bei Personen vor Bluttransfusionen, Schwangeren, medizinischem Personal, Menschen mit erhöhtem Risiko, Personen mit Anzeichen einer Lebererkrankung, vor Impfprogrammen und bei allgemeinen Screenings. |
| Folgetests | Bei positivem HBsAg werden zusätzliche Tests wie Anti-HBc, Anti-HBs, HBeAg, HBeAb, HBV-DNA und Leberfunktionstests angeordnet, um Infektionsstatus (akut/chronisch), Ansteckungsgrad und Lebererkrankungen zu beurteilen. |
| Klinische Bedeutung | Das HBsAg-Trägertum ist bedeutsam für das Übertragungsrisiko. Bei Diagnose sollte auch das Umfeld getestet und gegebenenfalls geimpft werden. |
| Einschränkungen | Ein positiver HBsAg-Test gibt keine Auskunft darüber, wie lange die Infektion besteht. Zur Diagnose müssen weitere serologische und molekulare Tests hinzugezogen werden. |

Op. Dr. Ömer Melih Aygün
Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe / Erfahrener Spezialist für Unfruchtbarkeit
Von dem türkischen Gesundheitsministerium zertifizierter Spezialist für Unfruchtbarkeit. Seit 1997 Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Erfahrener Spezialist für Unfruchtbarkeit mit mehr als zwanzig Jahren Erfahrung in der Privatmedizin. 25 Jahre internationale Berufserfahrung.
In den letzten 9 Jahren hat er über 15.000 Eizellentnahmen durchgeführt.
Ein selbstständiger Profi mit ausgeprägten Kommunikations- und Problemlösungsfähigkeiten. Verfügt über ausgezeichnete zwischenmenschliche Fähigkeiten, um Konsens zu schaffen und Teamarbeit zu fördern.
Über mich KontaktWas ist HBs Ag?
HBs Ag (Hepatitis-B-Oberflächenantigen) ist ein Protein auf der Oberfläche des Hepatitis-B-Virus (HBV) und zeigt an, dass eine Person aktiv mit Hepatitis B infiziert ist. Ist HBs Ag im Blut positiv, ist die Person ansteckend und kann sich in der akuten oder chronischen Phase der Infektion befinden. Es ist ein grundlegender Test für Diagnose, Screening und Risikobewertung. Positive Ergebnisse sollten durch weitere Tests bestätigt werden.
Was ist das Hepatitis-B-Virus und wie wirkt es im Körper?
Hepatitis B ist ein Virus, das hauptsächlich die Leber befällt. Nach Eindringen in den Körper gibt es zwei mögliche Szenarien. Das erste ist eine „akute“, also neue Infektion. Die meisten gesunden Erwachsenen (90–95 %) eliminieren das Virus innerhalb von sechs Monaten vollständig und entwickeln lebenslange Immunität. Viele Menschen bemerken die Infektion kaum oder halten sie für einen leichten grippalen Infekt.
Wenn das Immunsystem das Virus jedoch nicht beseitigen kann, bleibt das HBsAg länger als sechs Monate positiv. Dies wird als „chronische Hepatitis-B-Infektion“ bezeichnet. Das Virus verbleibt in den Leberzellen, bleibt manchmal still oder schädigt die Leber allmählich.
Im Zusammenhang mit einer Kinderwunschbehandlung ist Folgendes entscheidend: Das Risiko einer Chronifizierung hängt direkt vom Alter des Infektionszeitpunkts ab. Bei Erwachsenen liegt das Risiko bei 5–10 %, bei Neugeborenen, die sich während der Geburt bei der Mutter infizieren, kann es jedoch bis zu 90 % betragen. Diese Kinder haben ein sehr hohes Lebenszeitrisiko für Leberzirrhose und Leberkrebs. Deshalb ist es unser oberstes Ziel in IVF- und Schwangerschaftsprozessen, die Übertragung auf das Baby unbedingt zu verhindern.
Was bedeutet HBsAg-Positivität?
Der Nachweis von HBsAg im Blut ist ein klarer Beweis dafür, dass sich das Virus „jetzt“ im Körper befindet. Es zeigt an, dass das Virus im Blut und in Körperflüssigkeiten vorhanden ist und potenziell auf andere übertragen werden kann.
Ein positives Testergebnis ist ein „Alarmzeichen“, das alle Sicherheitsprotokolle der IVF-Behandlung aktiviert. Sobald dieses Ergebnis vorliegt, muss sofort ein detaillierter Plan eingeleitet werden, um sowohl Ihre Situation als auch die Ihres Partners zu klären und vor allem das ungeborene Kind zu schützen. Selten kann der Test in den ersten Wochen nach einer Hepatitis-B-Impfung „falsch positiv“ sein, weshalb nach einer kürzlichen Impfung gefragt wird.
Warum sind Anti-HBs und Anti-HBc wichtig?
- HBsAg ist nur der Anfang. Um festzustellen, ob eine Infektion neu, alt oder Immunität vorhanden ist, werden zwei zusätzliche Tests benötigt:
- Anti-HBs (HBs-Antikörper): Ihr „Schutzschild“. Das Auftreten dieses Antikörpers zeigt Immunität an, entweder durch Impfung oder durch überstandene Infektion.
- Anti-HBc Total: Ein komplexerer, aber wichtiger Marker. Er wird gegen den „Kern“ des Virus gebildet und entsteht nicht durch Impfung. Ein positiver Befund zeigt, dass Sie irgendwann mit dem echten Virus in Kontakt waren.
Durch die Kombination dieser drei Tests (HBsAg, Anti-HBs, Anti-HBc) lässt sich klar erkennen, ob eine Person empfindlich, geimpft, nach Infektion immun oder Träger ist.
Wie unterscheidet man akute und chronische Hepatitis-B-Infektionen?
Bei positivem HBsAg stellt sich zuerst die Frage: Ist es eine neue akute Infektion oder besteht sie länger als sechs Monate (chronisch)? Dies ist wichtig, weil eine frische Infektion oft spontan ausheilt—wodurch eine Verschiebung der IVF sinnvoll sein kann.
Dazu dient der IgM-Anti-HBc-Test:
- positiv → akute Infektion
- negativ → chronische Infektion
Warum sind HBeAg und HBV-DNA (Viruslast) so wichtig?
Wenn eine chronische Infektion vorliegt, muss die „Aktivität“ des Virus beurteilt werden.
- HBeAg: zeigt aktive Vermehrung und hohe Ansteckungsfähigkeit.
- HBV-DNA: misst die genaue Virusmenge (IU/mL). Der wichtigste Parameter für das Risiko einer Übertragung auf das Baby.
Ein kritischer Schwellenwert ist **200.000 IU/mL**. Liegt die Viruslast darüber, kann die übliche Geburtsprophylaxe nicht ausreichen und es wird im 3. Trimester eine antivirale Therapie begonnen (z. B. Tenofovir).
Wie beeinflusst HBsAg-Positivität die männliche Fruchtbarkeit?
Studien zeigen bei HBsAg-positiven Männern:
- niedrigere Spermienkonzentration
- verminderte Beweglichkeit
- abnorme Morphologie
- erhöhte DNA-Fragmentation
DNS-Schäden können zu Befruchtungsproblemen, Entwicklungsstörungen des Embryos oder frühen Fehlgeburten führen.
Warum ist IVF/ICSI trotz HBsAg-positivem Mann erfolgreich?
Große Studien zeigen: Die HBsAg-Positivität des Mannes beeinflusst die Erfolgsrate von IVF/ICSI **nicht**.
Grund:
- Spermienwäsche entfernt virusreiche Seminalflüssigkeit und schlechte Spermien.
- ICSI ermöglicht die Auswahl **eines einzelnen, gesunden** Spermiums.
So können selbst beeinträchtigte Spermienpopulationen durch Labortechniken ausgeglichen werden.
Beeinflusst HBsAg-Positivität die weibliche Fruchtbarkeit?
Ja, Hinweise deuten darauf hin:
- niedriger AMH-Wert
- niedrige Antralfollikelzahl
- höherer Medikamentenbedarf bei Stimulation
- weniger reife Eizellen
Mögliche Ursache: chronische, niedriggradige Entzündung im Ovargewebe → schnellere biologische Alterung.
Beeinflusst Hepatitis B die IVF-Erfolgsrate oder das Fehlgeburtsrisiko?
Studien zeigen:
- geringere Befruchtungsrate
- wenniger hochwertige Embryonen
- höheres Risiko für frühe Fehlgeburten (teils doppelt so hoch)
Ursachen könnten sowohl schlechte Eizellqualität als auch immunologische Veränderungen des Endometriums sein.
Warum müssen alle Paare vor IVF auf Hepatitis B getestet werden?
Grundsatz: **Sicherheit**.
Die Tests schützen:
- das Paar
- das zukünftige Baby
- andere Embryonen im Labor
- das medizinische Team
Erste Schritte nach Feststellung einer HBsAg-Positivität
- komplette Serologie (Anti-HBs, Anti-HBc, IgM Anti-HBc)
- Aktivitätsmarker (HBeAg, Anti-HBe)
- HBV-DNA-Menge
- Leberwerte (ALT/AST)
- Hepatitis-B-Panel des Partners
Rolle des Infektiologen/Hepatologen
Der Spezialist:
- bewertet die Lebergesundheit
- entscheidet über antivirale Therapie
- überwacht Verlauf während und nach Schwangerschaft
- entscheidet gemeinsam über Start der IVF
Was tun, wenn einer der Partner HBsAg-positiv und der andere negativ ist (serodiskordantes Paar)?
Das Ziel ist, den nicht infizierten Partner zu schützen.
Vorgehen:
- sofortige Impfung des negativen Partners
- IVF-Behandlung wird bis Abschluss der 3-Dosen-Impfung verschoben
- durchgehende Nutzung von Kondomen
- 1–2 Monate nach letzter Dosis: Anti-HBs >10 mIU/mL wird überprüft
Danach besteht **kein Risiko** mehr für Partnerübertragung.
Welche Laborverfahren werden bei HBsAg-positivem Mann angewendet?
Spermaproben werden speziell verarbeitet:
Methoden:
- Dichtegradienten
- Swim-up
Ziel:
- Auswahl gesunder, beweglicher Spermien
- Entfernung der virusreichen Seminalflüssigkeit
Eliminiert Spermienwäsche das Risiko vollständig?
Nein. Sie **reduziert**, aber **eliminiert nicht**.
Grund:
- HBV-DNA kann in manche Spermien integriert sein.
- Keine Technik kann diese Spermien erkennen.
Darum ist die Immunisierung der Frau **zwingend** („doppelte Sicherheit“).
Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten im IVF-Labor?
- strikte Infektionsschutzmaßnahmen
- getrennte Sicherheitswerkbänke
- separate Geräte
- zeitlich getrennte Arbeitsabläufe
- geimpftes und geschütztes Personal
Wie werden Embryonen HBsAg-positiver Patienten eingefroren?
Zur Eliminierung auch theoretischer Risiken werden Embryonen **in vollständig getrennten Kryotanks** gelagert.
Wie wird verhindert, dass ein HBsAg-positives Baby sich während der Schwangerschaft ansteckt?
In der **28.–32. Woche**:
- Messung der Viruslast
- bei >200.000 IU/mL Beginn einer antiviralen Therapie (z. B. Tenofovir)
Ziel: Viruslast reduzieren, damit die Geburtsprophylaxe optimal wirkt.
Beeinflusst die Hepatitis-B-Trägerschaft den Geburtsmodus oder das Stillen?
- Geburtsmodus wird NICHT durch HBV bestimmt.
- Stillen ist SICHER, wenn das Baby nach der Geburt Impfung + HBIG erhält.
Was ist die „kritische 12-Stunden-Regel“?
Innerhalb der ersten 12 Stunden erhält jedes Baby einer HBsAg-positiven Mutter:
- HBIG
- erste Hepatitis-B-Impfung
Schutzrate: **über 95 %**.
Wie erkennt man, ob das Baby geschützt ist?
Mit 9–12 Monaten:
- HBsAg
- Anti-HBs
Ergebnisse:
- HBsAg– / Anti-HBs+: geschützt
- HBsAg+: infiziert (selten)
- HBsAg– / Anti-HBs–: kein Impferfolg → erneute Impfserie
Häufig gestellte Fragen
Was zeigt der HBsAg-Test und warum wird er durchgeführt?
Er weist das Oberflächenantigen des Hepatitis-B-Virus nach und zeigt eine aktive Infektion. Er ist wichtig für die frühe Diagnose und Einschätzung der Ansteckungsfähigkeit.
Ist eine Person mit positivem HBsAg ansteckend?
Ja. Das Virus ist aktiv im Blut vorhanden und kann durch Blut, Sexualkontakt oder unter der Geburt übertragen werden.
Bedeutet HBsAg-Positivität immer eine chronische Hepatitis?
Nein. Auch bei frischer Infektion kann HBsAg positiv sein. Erst nach >6 Monaten spricht man von chronischer Infektion.
Schließt ein negativer HBsAg-Test Hepatitis B vollständig aus?
Er zeigt nur an, dass keine aktive Infektion vorliegt. Frühere Infektion oder Immunität müssen mit Anti-HBs und Anti-HBc abgeklärt werden.
Kann ein Baby von einer HBsAg-positiven Mutter infiziert werden?
Ja, aber durch Impfung + HBIG innerhalb der ersten 12 Stunden wird das Risiko stark reduziert.
Erfordert HBsAg-Positivität eine Behandlung?
Nicht immer. Nur bei aktiver Virusvermehrung und Leberzellschädigung wird eine antivirale Therapie eingeleitet.
Warum ist der HBsAg-Test bei Blutspenden Pflicht?
Aufgrund des Übertragungsrisikos. HBsAg-positive Personen dürfen kein Blut spenden.
Welche weiteren Tests werden bei HBsAg-Positivität durchgeführt?
HBeAg, Anti-HBe, HBV-DNA, ALT und bildgebende Diagnostik zur Bestimmung von Stadium und Ansteckungsgrad.
Worauf sollten HBsAg-Träger achten?
Kein Alkohol, vorsichtiger Umgang mit lebertoxischen Medikamenten, Information der Kontaktpersonen, regelmäßige ärztliche Kontrolle.
Was sollte eine Frau mit HBsAg-Positivität vor einer Schwangerschaft tun?
Vor der Empfängnis sollte eine hepatologische Kontrolle erfolgen. Während der Schwangerschaft sind engmaschige Kontrollen und geeignete Prophylaxe für das Baby notwendig.
