FSH ist ein von der Hypophyse stammendes Hormon, das eine zentrale Rolle bei der Regulation der Reproduktionsfunktionen spielt. Bei Frauen unterstützt es die Follikelentwicklung, bei Männern die Spermatogenese. Seine klinische Bestimmung liefert wichtige diagnostische Informationen bei der Beurteilung primärer Gonadenstörungen.
Die Regulationsmechanismen des FSH beschreiben die über die Hypothalamus-Hypophysen-Achse verlaufenden Rückkopplungsschleifen. Abweichungen in diesen Kreisläufen sind wegweisend für die Unterscheidung zwischen Ovarialinsuffizienz, Störungen der Hodenfunktion oder Pathologien der zentralen Achse.
Die klinische Interpretation der FSH-Spiegel untersucht den Zusammenhang zwischen den Serumwerten, der Reproduktionskapazität und dem hormonellen Status. Hohe oder niedrige Werte unterstützen eine korrekte Einordnung der Ursache endokriner Störungen und eine präzise Klassifikation im Rahmen der Infertilitätsdiagnostik.
Die Indikationen für einen FSH-Test umfassen Menstruationsstörungen, Verdacht auf Hypogonadismus und die Planung assistierter Reproduktionsbehandlungen. Quantitative Ergebnisse erleichtern die Festlegung von Therapiestrategien und ermöglichen eine umfassende Beurteilung der Reproduktionsphysiologie.
| Was Sie wissen sollten | Information |
| Definition / Zweck | Der FSH-Test (Follikelstimulierendes Hormon) ist ein Hormontest, der bei Frauen zur Beurteilung der Eierstockfunktion und bei Männern zur Beurteilung der Hodenfunktion eingesetzt wird. Er liefert Informationen über die reproduktive Gesundheit und das hormonelle Gleichgewicht. |
| Aufgabe des Hormons | Bei Frauen stimuliert es die Entwicklung der Ovarialfollikel und unterstützt die Östrogenproduktion. Bei Männern gehört es zu den Hormonen, die die Spermienproduktion anregen. |
| Wann wird der Test durchgeführt? | Bei Frauen wird empfohlen, den Test am 2. oder 3. Tag des Menstruationszyklus durchzuführen (basales FSH). Bei Männern ist er nicht vom Zyklus abhängig und kann jederzeit abgenommen werden. |
| Anwendungsgebiete | Er wird zur Abklärung weiblicher und männlicher Infertilität, zur Einschätzung der Eierstockreserve, bei Verdacht auf vorzeitige Menopause, bei Menstruationsstörungen, Störungen der Hypophyse sowie zur Abklärung von Problemen der Spermienproduktion eingesetzt. |
| Normwerte (allgemein) | Der basale FSH-Spiegel liegt bei Frauen in der Regel zwischen 3–10 IU/L. Bei Männern liegt der Normalbereich etwa zwischen 1,5–12 IU/L. Die Werte können je nach Alter, Geschlecht und Labor variieren. |
| Was bedeutet ein hoher FSH-Wert? | Bei Frauen kann er auf eine verminderte Eierstockreserve, eine vorzeitige Menopause oder eine Ovarialinsuffizienz hinweisen. Bei Männern kann er auf eine eingeschränkte Hodenfunktion oder eine unzureichende Spermienproduktion hindeuten. |
| Was bedeutet ein niedriger FSH-Wert? | Es können Störungen der Hormonproduktion im Bereich von Hypophyse oder Hypothalamus vorliegen, bei Frauen Ovulationsstörungen und bei Männern eine eingeschränkte Spermienproduktion. |
| Beurteilung zusammen mit anderen Hormonen | Der FSH-Test wird in der Regel zusammen mit anderen Hormonen wie LH, Östrogen und AMH beurteilt. Allein reicht er zur Diagnosestellung nicht aus und sollte im Kontext der gesamten hormonellen Situation interpretiert werden. |
| Durchführung des Tests | Der Test wird mit einer Blutprobe durchgeführt, die aus einer Armvene entnommen wird. Nüchternheit ist in der Regel nicht erforderlich. Die Ergebnisse liegen meist innerhalb weniger Tage vor. |

Op. Dr. Ömer Melih Aygün
Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe / Erfahrener Spezialist für Unfruchtbarkeit
Von dem türkischen Gesundheitsministerium zertifizierter Spezialist für Unfruchtbarkeit. Seit 1997 Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Erfahrener Spezialist für Unfruchtbarkeit mit mehr als zwanzig Jahren Erfahrung in der Privatmedizin. 25 Jahre internationale Berufserfahrung.
In den letzten 9 Jahren hat er über 15.000 Eizellentnahmen durchgeführt.
Ein selbstständiger Profi mit ausgeprägten Kommunikations- und Problemlösungsfähigkeiten. Verfügt über ausgezeichnete zwischenmenschliche Fähigkeiten, um Konsens zu schaffen und Teamarbeit zu fördern.
Über mich KontaktWas ist FSH?
FSH (Follikelstimulierendes Hormon) ist ein Hormon, das von der Hypophyse ausgeschüttet wird und bei Frauen die Eizellreifung sowie bei Männern die Spermienproduktion reguliert. Bei Frauen geben die FSH-Werte wichtige Hinweise auf die Eierstockreserve und den Menstruationszyklus. Ein erhöhter FSH-Spiegel kann auf eine nachlassende Ovarialfunktion hinweisen. Daher gehört FSH insbesondere in der Kinderwunschdiagnostik zu den am häufigsten bestimmten Hormonen.
Wie funktioniert das natürliche FSH-Gleichgewicht im Körper?
Ihr Körper hält zur Steuerung des Menstruationszyklus eine ständige „Kommunikation“ zwischen Gehirn (Hypothalamus und Hypophyse) und Eierstöcken aufrecht. Dieses komplexe und empfindliche System wird als „HPG-Achse“ (Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse) bezeichnet.
Diese Kommunikation funktioniert wie folgt: Das Steuerzentrum im Gehirn, der Hypothalamus, sendet ein Signal namens „GnRH“. Der Rhythmus dieses Signals – also wie häufig es ausgesendet wird – ist von entscheidender Bedeutung. Bei einem langsamen Rhythmus produziert die Hypophyse FSH (das „Eizell-Wachstumshormon“). Wird der Rhythmus schneller, produziert sie LH (das „Eisprunghormon“).
Zu Beginn des Menstruationszyklus ist der Rhythmus langsam und FSH wird ausgeschüttet. Dieses FSH „lädt“ eine Gruppe von Follikeln ein, in diesem Zyklus zu wachsen. Mit zunehmender Größe dieser Follikel produzieren sie Östrogen. Steigt der Östrogenspiegel im Blut an, wird ein Rückkopplungssignal an das Gehirn gesendet: „Die Eizelle wächst, so viel FSH ist nicht mehr nötig.“
Das Gehirn empfängt dieses Signal, verändert den GnRH-Rhythmus und reduziert die FSH-Produktion. Durch diesen natürlichen „Bremsmechanismus“ überlebt aus der Gruppe der Follikel, die in diesem Zyklus zu wachsen begonnen haben, letztlich nur der stärkste und am schnellsten wachsende, während die anderen zurückgehen. Deshalb entwickelt sich in einem normalen Menstruationszyklus in der Regel nur eine Eizelle.
Warum ist dieses FSH-Gleichgewicht bei Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) anders?
Bei Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) funktioniert diese „Kommunikation“ zwischen Gehirn und Eierstöcken etwas anders. Die vom Gehirn kommenden GnRH-Signale sind meist „zu schnell“ und dieser Rhythmus ändert sich kaum.
Dieser dauerhaft schnelle Rhythmus führt dazu, dass die Hypophyse überwiegend LH statt FSH produziert. Das Verhältnis LH/FSH, das normalerweise etwa bei 1:1 liegt, verschiebt sich bei PCOS häufig zugunsten von LH und kann 2:1 oder sogar 3:1 betragen.
Der erhöhte LH-Spiegel steigert die Produktion männlicher Hormone (Androgene) in den Eierstöcken. Gleichzeitig führt der relativ niedrige FSH-Spiegel dazu, dass Follikel zwar mit dem Wachstum beginnen, aber nicht vollständig ausreifen. Die Follikel „bleiben“ bei einer bestimmten Größe stehen und ein Eisprung findet nicht statt. Dies erklärt auch, warum PCOS-Patientinnen auf von außen zugeführtes FSH so empfindlich reagieren: In ihren Eierstöcken befinden sich bereits zahlreiche kleine Follikel, die auf Stimulation warten.
Wie verändert eine IVF-Behandlung dieses natürliche FSH-Gleichgewicht?
Das Hauptziel der IVF-Behandlung (In-vitro-Fertilisation) besteht darin, in einem Zyklus neben der „natürlich“ dominanten Eizelle auch die anderen Eizellen zu „retten“, die normalerweise zugrunde gehen würden. Je mehr reife Eizellen gewonnen werden, desto mehr gesunde Embryonen können im Labor entwickelt werden und desto höher ist die Schwangerschaftschance.
Um dies zu erreichen, wird der natürliche „Bremsmechanismus“ des Körpers vorübergehend ausgeschaltet. Dies geschieht mithilfe zweier Hauptgruppen von Medikamenten.
Die Schritte sind:
- Zunächst wird die Kommunikation zwischen Gehirn und Eierstöcken vorübergehend unterbrochen oder das frühe Auslösen des Eisprungs verhindert.
- Anschließend übernehmen wir die Aufgabe der Stimulation der Eierstöcke durch von außen verabreichte FSH-Injektionen.
- Wenn die natürlichen Signale aus dem Gehirn (mithilfe von GnRH-Agonisten oder -Antagonisten) unterdrückt werden, erhalten die Eierstöcke keine Befehle mehr aus dem Gehirn. In dieser Phase sorgen wir durch FSH-Injektionen für einen höheren und konstanten FSH-Spiegel im Körper.
Dieser hohe FSH-Spiegel verhindert, dass das Gehirn das „Stopp-Signal“ (Östrogen-Rückkopplung) wahrnimmt, das von den wachsenden Follikeln ausgeht. Da der FSH-Spiegel nicht abfällt, „überleben“ alle Follikel, die in diesem Zyklus mit dem Wachstum begonnen haben, und wachsen gemeinsam weiter. Dies wird als „Erweiterung des FSH-Fensters“ bezeichnet.
Welche Hauptaufgabe hat FSH bei der Eizell- und Spermienproduktion?
Die Rolle von FSH für die reproduktive Gesundheit ist sowohl bei Frauen als auch bei Männern von entscheidender Bedeutung.
Bei Frauen wählt FSH jeden Monat eine Gruppe kleiner Follikel (antrale Follikel) aus und bewahrt sie vor der sogenannten „Apoptose“, also dem programmierten Zelltod. Es fungiert gewissermaßen als „Lebensretter“. Unter dem Einfluss von FSH aktivieren die Granulosazellen in diesen Follikeln ein sehr wichtiges Enzym namens „Aromatase“. Dieses Enzym wirkt wie eine „Fabrik“, die in den Eierstöcken vorhandene männliche Hormone (Androgene) in Östrogen umwandelt. Das gebildete Östrogen ist sowohl für die letzten Reifungsschritte der Eizelle als auch für die Verdickung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) notwendig, um sie auf eine mögliche Schwangerschaft vorzubereiten.
Bei Männern ist FSH ein zentrales Hormon im Prozess der Spermienproduktion (Spermatogenese). Es wirkt direkt auf die sogenannten Sertoli-Zellen in den Hoden – die „Betreuerzellen“ der Spermien. FSH stimuliert diese Zellen, die Spermienproduktion zu initiieren und aufrechtzuerhalten. Außerdem regt es die Sertoli-Zellen zur Produktion des „Androgen-bindenden Proteins“ (ABP) an. Dieses Protein konzentriert das Hormon Testosteron im Bereich der Spermienproduktion. Eine hohe lokale Testosteronkonzentration ist für die gesunde Entwicklung der Spermien unerlässlich.
Warum wird der FSH-Test zur Beurteilung der ovariellen Reserve eingesetzt?
Der FSH-Test gehört zu den klassischen Methoden, um Informationen über die ovarielle Reserve einer Frau (Anzahl und Potenzial der Eizellen) zu gewinnen. Dieser Test wird als „basales FSH“ bezeichnet und üblicherweise am 2., 3. oder 4. Tag des Menstruationszyklus durchgeführt.
Der Zeitpunkt der Testung ist sehr wichtig. Denn diese Tage spiegeln einen „Basalzustand“ wider, der zeigt, wie viel „Unterstützung“ die Eierstöcke vom Gehirn anfordern, um einen neuen Zyklus zu beginnen.
Ist die Eierstockreserve vermindert, reagieren die Eierstöcke weniger sensibel auf die Signale aus dem Gehirn. In diesem Fall muss das Gehirn „lauter sprechen“, das heißt mehr FSH produzieren, um die Eierstöcke zu stimulieren. Ein erhöhter FSH-Spiegel im Blut am 3. Zyklustag (in der Regel über 10–12 mIU/mL) kann darauf hinweisen, dass die ovarielle Reserve abgenommen hat und das Gehirn mehr „Arbeit“ leisten muss, um die Eierstöcke anzuregen.
Wie werden FSH- und Östrogen-(E2-)Spiegel gemeinsam interpretiert?
Die alleinige Interpretation von FSH kann irreführend sein. Der Test sollte immer zusammen mit dem Hormon „Östrogen (E2)“ beurteilt werden. Diese beiden Hormone stehen in einem Gleichgewicht.
Bei einer guten Eierstockreserve erwartet man am 3. Zyklustag sowohl niedrige FSH- als auch niedrige E2-Werte. Dies zeigt, dass das System den Zyklus in einem „ruhigen“ Zustand beginnt.
Mitunter kann FSH jedoch „normal“ erscheinen, obwohl die Eierstockreserve vermindert ist. Wie ist das möglich? Beginnen die Eierstöcke aufgrund der Reserveverminderung frühzeitig damit, einen Follikel wachsen zu lassen, produziert dieser Follikel ebenfalls frühzeitig E2 (Östrogen). Wenn am 3. Zyklustag ein über dem Normalbereich liegender E2-Spiegel im Blut (zum Beispiel über 60–80 pg/mL) gemessen wird, kann dieses erhöhte Östrogen dem Gehirn ein „Bremssignal“ senden und den FSH-Spiegel, der eigentlich erhöht sein müsste, künstlich „unterdrücken“. Dies wird als „maskierte“ verminderte Eierstockreserve bezeichnet.
Daher kann ein niedriger FSH-Wert zusammen mit einem hohen E2-Wert ein wichtiger Hinweis darauf sein, dass die Reserve nachlässt. Ein wirklich gutes Ergebnis ist ein niedriger FSH- und ein niedriger E2-Spiegel.
Reicht der FSH-Test allein aus, um die ovarielle Reserve zu beurteilen?
Obwohl der basale FSH-Test wertvolle Informationen liefert, gilt er nicht als „Goldstandard“ zur Beurteilung der ovariellen Reserve. Heute wird er allein nicht als ausreichend angesehen.
Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Er kann von Zyklus zu Zyklus deutlich schwanken.
- Er kann leicht durch erhöhte Östrogenspiegel „maskiert“ werden.
- Er misst die Reaktion des Gehirns, nicht direkt den „Eizellvorrat“ der Eierstöcke, und ist damit ein indirekter Test.
- Seine Sensitivität ist begrenzt; er steigt meist erst an, wenn die Reserve bereits deutlich reduziert ist.
FSH-Werte können von Monat zu Monat variieren – in einem Zyklus kann er beispielsweise bei 11 liegen, im nächsten bei 8. Das bedeutet nicht, dass sich die Reserve „verbessert“ hat. In der klinischen Praxis wird häufig der höchste gemessene FSH-Wert zur Beurteilung herangezogen. Aufgrund dieser Einschränkungen werden heute zur Beurteilung der ovariellen Reserve modernere und deutlich verlässlichere Tests bevorzugt.
Wie wird die moderne FSH-Bewertung zusammen mit AMH und AFC durchgeführt?
In der modernen IVF-Praxis stützt man sich bei der Vorhersage der zu erwartenden Reaktion auf die Therapie und zur Anpassung der Medikamentendosis in erster Linie auf zwei Tests:
- AMH (Anti-Müller-Hormon): Dieses Hormon wird direkt von den Granulosazellen der kleinen, „ruhenden“ Follikel in den Eierstöcken produziert. Es liefert sehr klare und direkte Informationen über den „Kapitalstock“ der Eierstöcke, also den verbleibenden Follikelpool. Sein größter Vorteil ist, dass es an jedem Tag des Menstruationszyklus im Blut bestimmt werden kann und von Monat zu Monat nur geringe Schwankungen zeigt.
- AFC (Antrale Follikelzahl): Dies ist eine transvaginale Ultraschalluntersuchung, die am 2. oder 3. Zyklustag durchgeführt wird. Dabei werden in beiden Eierstöcken die kleinen (2–10 mm großen) Follikel gezählt, die in diesem Zyklus für eine Stimulation „bereit“ sind.
Nach heutigem Verständnis liefern AMH und AFC die verlässlichsten Informationen über die Anzahl der Eizellen (Quantität). Das Alter der Patientin ist der wichtigste Faktor für die Eizellqualität. Der basale FSH-Test behält als „unterstützender“ und „bestätigender“ Test weiterhin seinen Wert. Die gemeinsame Bewertung dieser drei Parameter bildet die Grundlage für die Behandlungsplanung.
Warum wird bei niedriger ovarieller Reserve keine hohe FSH-Dosis empfohlen?
Dies war über viele Jahre ein kontrovers diskutiertes Thema in der IVF-Medizin. Lange Zeit wurden bei Patientinnen mit niedriger ovarieller Reserve (niedriges AMH, höheres Alter) sehr hohe FSH-Dosen (300 IE, 450 IE oder sogar 600 IE) eingesetzt, nach dem Motto: „Wenn die Reserve gering ist, geben wir einfach ein stärkeres Signal.“
In den letzten Jahren haben jedoch große, hochwertige wissenschaftliche Studien (Randomisierte Kontrollstudien – RCTs) klar gezeigt, dass dieser Ansatz nicht die erwarteten Ergebnisse liefert.
Die Ergebnisse dieser Studien waren: Eine Erhöhung der Dosis von 150 IE auf 450 IE steigerte die Anzahl der gewonnenen Eizellen möglicherweise nur um ein oder zwei. Das eigentliche Ziel der Behandlung – die „Lebendgeburtenrate“ – wurde dadurch jedoch nicht verbessert.
Heute wissen wir, dass bei niedriger ovarieller Reserve nicht ein „Signalschwächeproblem“, sondern vor allem ein Mangel an Follikeln, also ein eingeschränkter Follikelpool, vorliegt. Wird dieser kleine Pool mit zu hohen Medikamentendosen „überflutet“, kann dies die Qualität der wenigen vorhandenen Eizellen beeinträchtigen oder die Empfänglichkeit der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumrezeptivität) negativ beeinflussen.
Daher betonen aktuelle medizinische Leitlinien, dass selbst bei Patientinnen mit niedriger Reserve eine tägliche FSH-Dosis von über 300 IE keinen nachgewiesenen Nutzen bringt und lediglich die Kosten erhöht. Entscheidend ist, die wenigen vorhandenen Eizellen in bestmöglicher Qualität heranreifen zu lassen.
Was ist das wichtigste Risiko einer FSH-Behandlung (OHSS) und wie kann es verhindert werden?
Das wichtigste und schwerwiegendste Risiko der IVF-Behandlung ist das „Ovarielle Hyperstimulationssyndrom“ (OHSS), also eine Überstimulation der Eierstöcke.
Dies tritt bei Frauen auf, die auf die FSH-Therapie übermäßig stark reagieren (typischerweise Patientinnen mit hoher Reserve, PCOS oder jüngere Frauen) und viele Follikel entwickeln. Wird zur Auslösung der Eizellreifung „hCG“ (die Auslösespritze) verwendet, stimuliert dieses Hormon die Eierstöcke zur Ausschüttung einer Substanz namens „VEGF“. VEGF macht die Blutgefäße „durchlässig“. Flüssigkeit tritt aus den Gefäßen in die Bauchhöhle und manchmal in den Brustraum über. Dies führt zu einer Bauchwassersucht, Atemnot, Übelkeit und einer deutlichen Vergrößerung der Eierstöcke.
Glücklicherweise kann mit modernen IVF-Strategien das Auftreten von OHSS nahezu vollständig verhindert werden. Die Sicherheit der Behandlung hat dabei immer oberste Priorität.
Bei Hochrisikopatientinnen (PCOS, hohes AMH, mehr als 20 Follikel im Ultraschall) werden vor allem folgende Strategien angewandt:
- Beginn der Behandlung mit einer niedrigen und sorgfältig angepassten FSH-Dosis.
- Grundsätzliche Verwendung eines „Antagonistenprotokolls“ (kurzes Protokoll).
- Verwendung einer „GnRH-Agonisten“-Spritze zur Auslösung der Eizellreifung anstelle von hCG (sogenanntes „Agonist-Triggering“).
- Gegebenenfalls Anwendung einer „Freeze-all“-Strategie (Einfrieren aller Embryonen).
Insbesondere die letzten beiden Strategien sind von großer Bedeutung. Das „Agonist-Triggering“ führt zu einer kurzfristigen (24–36 Stunden) Ausschüttung von körpereigenem LH. Diese Zeit reicht aus, um die Eizellen zu maturieren, ist aber zu kurz, um ein OHSS zu verursachen. Bei der „Freeze-all“-Strategie wird in demselben Zyklus kein frischer Embryotransfer durchgeführt. Alle gewonnenen gesunden Embryonen werden eingefroren. Nachdem sich die Gebärmutter von den hohen Hormonspiegeln und der Medikamentenbelastung erholt hat (nach 1–2 Monaten), wird in einem deutlich natürlicheren und sichereren Zyklus ein aufgetauter Embryo transferiert. Diese Strategie eliminiert zudem das Risiko eines „späten OHSS“, das durch eine Schwangerschaft ausgelöst werden kann.
Häufig gestellte Fragen
Wie zeigt das Hormon FSH die Eierstockreserve an?
FSH ist ein Hormon, das die Eierstöcke zur Eizellproduktion anregt. Steigt sein Spiegel an, deutet dies darauf hin, dass die Eierstockreserve abgenommen hat. Ein hoher FSH-Wert zeigt, dass die Eierstöcke weniger gut auf die Stimulation reagieren.
An welchem Zyklustag sollte der FSH-Test durchgeführt werden?
Der FSH-Test wird in der Regel am 2. oder 3. Tag des Menstruationszyklus durchgeführt. Eine Messung in diesem Zeitraum liefert die verlässlichsten Informationen über die Eierstockreserve, da das hormonelle Gleichgewicht in dieser Phase relativ stabil ist.
Was bedeutet ein hoher FSH-Spiegel?
Ein hoher FSH-Spiegel kann auf eine verminderte Eierstockreserve oder den Beginn einer vorzeitigen Menopause hinweisen. Dies bedeutet, dass die Chance auf eine spontane Schwangerschaft reduziert ist.
Kann die Fruchtbarkeit durch eine Senkung des FSH-Wertes gesteigert werden?
Der FSH-Spiegel lässt sich nicht direkt senken, aber durch geeignete unterstützende Therapien kann die Reaktion der Eierstöcke verbessert werden. Insbesondere bei IVF-Behandlungen werden die Medikamentenprotokolle an einen hohen FSH-Wert angepasst.
Wie aussagekräftig ist der FSH-Test für die Eignung zur IVF-Behandlung?
FSH ist ein wichtiger Parameter zur Einschätzung, wie gut sich die Eierstöcke stimulieren lassen. Allerdings sollte er nicht isoliert betrachtet werden, sondern immer zusammen mit AMH und der antralen Follikelzahl.
Ist ein niedriger FSH-Spiegel immer positiv?
Ein niedriger FSH-Wert wird bei jüngeren Frauen in der Regel als normal angesehen. Bei Störungen der Hypophyse oder hormonellen Dysbalancen kann FSH jedoch ebenfalls niedrig sein. Deshalb sollte der Wert immer im Zusammenhang mit der klinischen Gesamtsituation beurteilt werden.
Wie ist der Zusammenhang zwischen FSH- und AMH-Werten?
In der Regel gilt: Ist AMH niedrig, ist FSH erhöht. AMH zeigt die Eierstockreserve direkt an, während FSH die kompensatorische Reaktion des Gehirns widerspiegelt, wenn die Reserve abnimmt. Die gemeinsame Bewertung beider Werte erlaubt eine deutlich präzisere Interpretation.
Kann mit einem FSH-Test eine Menopause diagnostiziert werden?
In der Menopause ist der FSH-Spiegel deutlich erhöht. Der Test allein reicht jedoch für die Diagnose nicht aus; zusätzlich sollten der Estradiolspiegel und die klinischen Symptome berücksichtigt werden.
Wofür wird der FSH-Test bei Männern eingesetzt?
Bei Männern reguliert FSH die Spermienproduktion. Ein erhöhter FSH-Wert kann auf eine Störung der Hodenfunktion oder auf schwerwiegende Probleme bei der Spermienproduktion hinweisen.
Schwanken die FSH-Werte?
Ja, der FSH-Spiegel kann zyklusabhängig schwanken. Deshalb liefern wiederholte Messungen und die kombinierte Beurteilung mit anderen Hormonen verlässlichere Ergebnisse als eine einmalige Bestimmung.
