Der LH-Test liefert grundlegende Informationen zur Beurteilung der reproduktiven Funktionen, indem er den Spiegel des luteinisierenden Hormons misst. Ein Anstieg oder Abfall dieses Hormons bietet wichtige klinische Hinweise für die Diagnose des Ovulationsstatus, hormoneller Ungleichgewichte und Funktionsstörungen der Gonaden.
Die Analyse des LH-Spiegels spielt eine entscheidende Rolle bei der Bestimmung des Ovulationszeitpunkts. Der plötzliche LH-Anstieg im Zyklus zeigt an, dass der Eisprung bevorsteht, und unterstützt eine präzise Zeitbestimmung bei Fruchtbarkeitsuntersuchungen.
Das LH-Screening wird auch zur Beurteilung von Gonadenfunktionsstörungen bei Männern eingesetzt. Veränderungen des Hormonspiegels liefern Informationen über die Testosteronproduktion und die Funktion der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse und unterstützen so den diagnostischen Prozess.
LH-Verlaufsmessungen sind wichtig zur Überwachung hormoneller Ungleichgewichte wie des polyzystischen Ovarsyndroms. Regelmäßige Kontrollen erleichtern die Analyse des LH/FSH-Verhältnisses und tragen zur Planung langfristiger hormoneller Behandlungsstrategien bei.
| Wissenswertes | Information |
| Name des Tests | LH (Luteinisierendes Hormon) Test |
| Zweck des Tests | Beurteilung des Eisprungs, des Menstruationszyklus, der reproduktiven Funktionen sowie der Funktion der Hypophyse |
| Anwendungsbereiche | Ovulationsüberwachung bei Frauen, Untersuchung von Zyklusstörungen, Infertilitätsdiagnostik; Beurteilung der Testosteron- und Spermienproduktion bei Männern |
| Quelle des Hormons | Wird von der Hypophyse im Gehirn ausgeschüttet |
| Probenart | Blutprobe |
| Zeitpunkt der Probennahme | Kann je nach Menstruationszyklus der Frau variieren; steigt besonders um den Eisprung herum (ca. 14. Zyklustag) |
| Normbereiche | Variiert bei Frauen je nach Phase (Follikelphase: 1,9–12,5 IU/L, Ovulation: 8,7–76,3 IU/L, Lutealphase: 0,5–16,9 IU/L); bei Männern: 1,5–9,3 IU/L |
| Ursachen für erhöhte Werte | Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS), vorzeitige Menopause, Turner-Syndrom, Hodeninsuffizienz, Hypophysentumoren |
| Ursachen für niedrige Werte | Hypopituitarismus, hypothalamische Störungen, Anorexie, Stress, übermäßige körperliche Belastung |
| Klinische Bedeutung bei Männern | Beurteilung der Hodenfunktion; LH-Messung hilft bei der Diagnose niedriger Testosteronspiegel |
| Ovulationsüberwachung | Der LH-Spiegel steigt etwa 24–36 Stunden vor dem Eisprung plötzlich an (LH-Peak) |
| Interpretation nach dem Test | Wird nicht allein bewertet; üblicherweise zusammen mit FSH, E2 und Progesteron analysiert |
| Wechselwirkungen mit Medikamenten | Antibabypillen, Hormontherapien, bestimmte Antipsychotika und Kortikosteroide können LH-Werte beeinflussen |
| Notwendigkeit der Verlaufskontrolle | LH-Spiegel kann während Infertilitätstherapien und hormonellen Behandlungen überwacht werden |
| Weitere relevante Tests | FSH, Estradiol (E2), Progesteron, Prolaktin, Testosteron |

Op. Dr. Ömer Melih Aygün
Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe / Erfahrener Spezialist für Unfruchtbarkeit
Von dem türkischen Gesundheitsministerium zertifizierter Spezialist für Unfruchtbarkeit. Seit 1997 Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Erfahrener Spezialist für Unfruchtbarkeit mit mehr als zwanzig Jahren Erfahrung in der Privatmedizin. 25 Jahre internationale Berufserfahrung.
In den letzten 9 Jahren hat er über 15.000 Eizellentnahmen durchgeführt.
Ein selbstständiger Profi mit ausgeprägten Kommunikations- und Problemlösungsfähigkeiten. Verfügt über ausgezeichnete zwischenmenschliche Fähigkeiten, um Konsens zu schaffen und Teamarbeit zu fördern.
Über mich KontaktWas ist LH?
LH (Luteinisierendes Hormon) wird in der Hypophyse gebildet und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Fortpflanzungssystems. Bei Frauen löst es den Eisprung aus, bei Männern stimuliert es die Testosteronproduktion. LH-Werte werden zur Beurteilung von Infertilität, Zyklusstörungen, polyzystischem Ovarsyndrom (PCOS) und der Hypophysenfunktion verwendet. Der Spiegel wird über eine Blutuntersuchung bestimmt und hilft, das hormonelle Gleichgewicht zu beurteilen.
Welche zentrale Rolle spielt LH bei der Eizellproduktion?
Um die Funktion von LH im Eierstock zu verstehen, stellen wir uns eine „zweizellige Fabrik“ vor, die perfekt zusammenarbeitet. Die Eizelle wird von zwei unterschiedlichen Zellschichten umgeben (Theka- und Granulosazellen). Für den optimalen Betrieb dieser „Fabrik“ werden sowohl LH als auch FSH (Follikelstimulierendes Hormon) benötigt.
So funktioniert das System: LH bindet an die Thekazellen in der äußeren Schicht des Eierstocks und gibt ihnen das Signal „Startet die Produktion!“. Dadurch stellen diese Zellen Androgene – also „Rohmaterial“ – aus Cholesterin her. Dieses gelangt dann zu den benachbarten Granulosazellen. Dort kommt FSH ins Spiel: Es signalisiert ihnen, dieses Rohmaterial (Androgene) in Östrogen umzuwandeln – das „Endprodukt“.
Beide Zelltypen sind voneinander abhängig: Thekazellen können kein Östrogen herstellen, Granulosazellen keine Androgene. Hohe Östrogenspiegel, die für eine gesunde Eizellreifung nötig sind, entstehen nur durch das perfekte Zusammenspiel dieser Zellen und der Hormone LH und FSH.
In der IVF-Behandlung sollen viele Eizellen gleichzeitig wachsen, was eine hohe Östrogenproduktion erfordert. Wird LH zu stark unterdrückt, entsteht Rohstoffmangel. Selbst hohe FSH-Dosen können das nicht ausgleichen, und die Östrogenproduktion bleibt unzureichend. Das beeinträchtigt die Eizellentwicklung und Qualität. Deshalb ist eine ausreichende LH-Aktivität entscheidend.
Löst LH nur den Eisprung aus?
Oft wird LH nur als der „letzte Auslöser“ des Eisprungs gesehen. Doch wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass LH bereits in sehr frühen Entwicklungsphasen der Follikel wirkt.
LH hilft, die kleinsten Ruhefollikel (primordiale Follikel) zu aktivieren. Bei chronischem LH-Mangel – etwa bei hypogonadotropem Hypogonadismus – kann diese frühe Entwicklung ausbleiben. Dadurch sinkt die Anzahl der antralen Follikel, die zu Zyklusbeginn zur Verfügung stehen.
Der „Ovarialreserve“-Begriff wird dadurch komplexer: Eine niedrige antrale Follikelzahl kann nicht nur altersbedingt sein, sondern auch auf langfristigen LH-Mangel hinweisen. Erreicht der Follikel die antrale Phase, bleibt die Abhängigkeit von LH und FSH bestehen.
Wie wird der natürliche LH-Peak ausgelöst?
Der Höhepunkt der Follikelentwicklung ist der plötzliche starke Anstieg des LH – der sogenannte „LH-Peak“, der den Eisprung auslöst. Er entsteht durch ein fein abgestimmtes Rückkopplungssystem zwischen Gehirn und Eierstöcken.
Während des Großteils des Zyklus wirkt Östrogen hemmend auf die Hypophyse (negative Rückkopplung). Wird jedoch der dominante Follikel groß und produziert hohe Östrogenspiegel, kippt der Mechanismus: Aus der „Bremse“ wird ein „Gaspedal“ (positive Rückkopplung).
Dies führt zu einem pulsartigen Anstieg des GnRH, der die Hypophyse veranlasst, alle gespeicherten LH-Mengen freizusetzen. So entsteht der mächtige LH-Peak, der den Eisprung auslöst.
Er startet mehrere Vorgänge in der Eizelle:
- Abschluss der letzten Zellteilung
- Reifung zur MII-Phase
- Ausdehnung der umgebenden Schutzschichten
- Schwächung der Follikelwand
- Aufreißen des Follikels (Eisprung)
Etwa 34–36 Stunden nach Beginn löst sich die Eizelle.
Warum müssen wir LH während der IVF kontrollieren?
Die Ziele der IVF sind:
1) Viele Eizellen gleichzeitig wachsen zu lassen.
2) Einen vorzeitigen spontanen LH-Peak zu verhindern, der zum frühen Eisprung führt.
Tritt der LH-Peak zu früh auf, ovulieren die Eizellen unkontrolliert – die Follikel sind bei der Punktion leer und der Zyklus muss abgebrochen werden. Daher müssen wir LH mit sogenannten GnRH-Analoga kontrollieren.
Warum ist der „therapeutische Bereich“ für LH so wichtig?
LH muss während der IVF in einem optimalen Bereich bleiben – weder zu hoch noch zu niedrig.
Ein Ausbrechen führt zu:
- Androgenmangel (Rohstoffmangel)
- Niedrigem Östrogen
- Stagnation der Follikelentwicklung
- Qualitätseinbußen der Eizellen
- Risiko einer verfrühten Reifung
Zielbereich: etwa 1,2–5,0 IU/L.
Welche Protokolle verhindern einen vorzeitigen LH-Peak?
Um vorzeitige Ovulation zu verhindern, muss die LH-Sekretion der Hypophyse unterdrückt werden. Dafür gibt es zwei Hauptprotokolle:
GnRH-Agonistenprotokoll (Langprotokoll)
Hier beginnt die Behandlung am Tag 21 des vorherigen Zyklus. Diese Mittel stimulieren anfangs, schalten jedoch später durch Desensibilisierung die Hypophyse ab.
Merkmale:
- Beginnt im vorherigen Zyklus
- Wirkt durch Desensibilisierung
- Starke und stabile LH-Unterdrückung
- Längere Behandlungsdauer
- Höherer Medikamentenbedarf
- Höheres OHSS-Risiko
- Nicht geeignet für sichere Auslösung (GnRH-a)
GnRH-Antagonistenprotokoll (Kurzprotokoll)
Moderner und patientenfreundlicher. Die Stimulation beginnt am 2.–3. Zyklustag, der Antagonist wird später hinzugefügt (ca. Tag 6).
Merkmale:
- Sofortige LH-Blockade
- Kürzere Behandlung
- Niedrigeres OHSS-Risiko
- Ermöglicht sicheren GnRH-a-Trigger
Heute weltweit das bevorzugte Protokoll.
Warum überwachen wir LH während der Behandlung?
Besonders im Antagonistenprotokoll zeigt ein steigender LH-Spiegel, wann der Antagonist begonnen werden muss.
Sinkt LH dagegen zu stark, kann ein Östrogenmangel auf Rohstoffmangel hindeuten – dann kann eine Gabe von LH-haltigen Präparaten erforderlich sein.
Warum geben wir LH von außen, obwohl wir es unterdrücken?
Es geht nicht darum, LH zu eliminieren, sondern zu kontrollieren. Bei zu starker Unterdrückung ist eine Ergänzung notwendig, um in den therapeutischen Bereich zurückzukehren.
Wer am häufigsten LH benötigt:
- Patient*innen mit hypogonadotropem Hypogonadismus
- Ältere Patientinnen
- Niedrige Ovarialreserve
- Schwache Reaktion in früheren Zyklen
- Sehr niedriger LH-Spiegel während der Behandlung
Was unterscheidet LH-aktive Medikamente?
Zwei Hauptgruppen:
- Rekombinantes LH (r-LH)
Identisch mit natürlichem LH, kurze Wirkdauer, eher schützende Zellsignale.
- hMG (Human Menopausal Gonadotropin)
Enthält FSH und LH-Aktivität, wobei LH-Aktivität überwiegend durch zugesetztes hCG entsteht – langwirkend und stark steroidogen.
Was ist die „Auslösespritze“ und warum ist sie so wichtig?
Wenn die Follikel groß genug sind, wird etwa 34–36 Stunden vor der Eizellentnahme die sogenannte Auslösespritze verabreicht. Sie imitiert den natürlichen LH-Peak und sorgt für die finale Reifung der Eizellen.
Ohne diese Signalwirkung bleiben die Eizellen unreif (M1). Der Trigger stellt sicher, dass die Eizelle MII erreicht und befruchtungsfähig wird.
Welche Trigger-Optionen gibt es?
Klassischer hCG-Trigger
- Stark und langanhaltend
- Gute Unterstützung für frischen Transfer
- Hohes OHSS-Risiko
GnRH-Agonisten-Trigger
- Kein OHSS-Risiko
- Mehr MII-Eizellen
- Kein frischer Transfer möglich
Doppeltrigger (GnRH-a + geringe hCG-Dosis)
- Kombiniert Vorteile beider Methoden
- Ideal bei normalem/hohem Ansprechen
- Minimiert OHSS
Wie wird das passende LH-Protokoll gewählt?
Die Behandlung ist individuell:
- Hohe Reserve (PCOS): Antagonist + sicherer Trigger + Freeze-all
- Niedrige Reserve/Alter: LH-Ergänzung sinnvoll
- Normale Reserve: Antagonist + Doppeltrigger
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielt LH beim Eisprung?
LH löst den Eisprung aus, indem der plötzliche Anstieg das Austreten der reifen Eizelle bewirkt.
Wann sollte der LH-Test durchgeführt werden?
In der Zyklusmitte (Tag 12–16) liefert er die aussagekräftigsten Ergebnisse.
Was bedeutet der LH-Peak?
Er tritt 24–36 Stunden vor dem Eisprung auf und markiert die fruchtbarste Phase.
Warum ist LH bei PCOS erhöht?
Ein chronisch erhöhter LH-Spiegel kann den Eisprung verhindern und das hormonelle Gleichgewicht stören.
Was zeigt das LH/FSH-Verhältnis?
Normalerweise etwa 1. Bei PCOS kann es über 2 liegen und auf hormonelle Dysbalancen hinweisen.
Was zeigt der LH-Test bei Männern?
LH reguliert die Testosteronproduktion. Niedrige Werte können auf Hodenerkrankungen hinweisen.
Kann der LH-Test den genauen Eisprungtag bestimmen?
Er hilft bei der Einschätzung, aber genaue Bestimmung erfordert Serienmessungen.
Weist hoher LH immer auf Eisprung hin?
Nein. Bei PCOS kann LH hoch sein, ohne dass Ovulation erfolgt.
Was bedeutet niedriger LH?
Hinweis auf eine Hypothalamus- oder Hypophyseninsuffizienz.
Wie wird LH in der IVF verwendet?
LH wird je nach Protokoll unterdrückt oder ergänzt, um Follikelantwort und Triggerzeitpunkt optimal zu steuern.
