Der Anti-HIV-I/II-Test weist Antikörper gegen HIV-1 und HIV-2 und bei Bedarf das p24-Antigen nach und bestimmt so das Vorliegen einer Infektion. Er ist eine grundlegende Screening-Methode für die Früherkennung und zur Beurteilung der Infektiosität und wird durch Bestätigungstests abgesichert.
Das Anti-HIV-Antikörper-Screening spielt eine entscheidende Rolle bei der Erkennung einer akuten Infektion. Analysen mit hochsensitiven Methoden ermöglichen eine frühe Positivität in der Serokonversionsphase, erhöhen die Zuverlässigkeit des diagnostischen Prozesses und geben die Richtung für die klinische Verlaufskontrolle vor.
Die risikoorientierte Bewertung mit Anti-HIV umfasst regelmäßige Testungen bei Personen mit hoher Expositionswahrscheinlichkeit. Für medizinisches Personal, Personen mit ungeschütztem Kontakt in der Vorgeschichte und Gruppen mit risikoreichem Verhalten erleichtert der Test eine frühzeitige Intervention und den Zugang zur Therapie.
Bevölkerungsweite Anti-HIV-Screenings sind wichtig zur Kontrolle von Infektionsketten und zur Stärkung der epidemiologischen Überwachung. Groß angelegte Screening-Programme tragen zur Kartierung der Ausbreitung der Infektion, zur Entwicklung von Präventionsstrategien und zur Optimierung der Programme im öffentlichen Gesundheitswesen bei.
| Wissenswertes | Information |
| Name des Tests | Anti-HIV-I/II-Test |
| Zweck des Tests | Nachweis des Vorliegens einer HIV-Infektion (Humanes Immundefizienz-Virus); Bestimmung von HIV-1- und HIV-2-Antikörpern und/oder -Antigenen |
| Anwendungsgebiete | Screening auf HIV-Infektion, Tests vor Blutspenden, Abklärung sexuell übertragbarer Infektionen, Beurteilung nach Risikokontakt |
| Probenart | Blutprobe |
| Zeitpunkt der Probenentnahme | Kann zu jeder Tageszeit abgenommen werden; Nüchternheit ist nicht erforderlich |
| Testinhalt | Nachweis von Antikörpern gegen HIV-1 und HIV-2 sowie des p24-Antigens (bei Tests der vierten Generation) |
| Interpretation der Ergebnisse | Ein positives Ergebnis kann mit einer HIV-Infektion vereinbar sein; zur Bestätigung müssen zusätzliche Tests wie Western Blot, PCR usw. durchgeführt werden |
| Fensterperiode | Der Test wird in der Regel 2–6 Wochen nach Kontakt mit dem Virus positiv; selten kann sich dieser Zeitraum auf bis zu 3 Monate verlängern |
| Sensitivität / Zuverlässigkeit | Mit Tests der vierten Generation wird eine Sensitivität und Spezifität von über 99 % erreicht |
| Was bedeutet ein negatives Ergebnis? | Es liegt möglicherweise keine Infektion vor oder die Person befindet sich in der Fensterperiode; bei Verdacht auf Risikokontakt sollte der Test wiederholt werden |
| Vorgehen bei positivem Ergebnis | Zur endgültigen Diagnose müssen Bestätigungstests durchgeführt werden; wird die Infektion bestätigt, ist eine Überweisung an eine/n Facharzt/Fachärztin für Infektiologie erforderlich |
| Für wen wird der Test empfohlen? | Personen mit ungeschütztem Geschlechtsverkehr, mehreren Sexualpartnern, HIV-positivem Partner oder mit Blut- bzw. Nadelkontakt in der Vorgeschichte |
| Rechtliche und ethische Aspekte des Tests | Vor dem Test müssen Aufklärung und Einwilligung erfolgen; die Beurteilung hat unter Wahrung der Vertraulichkeit zu erfolgen |
| Weitere relevante Tests | HIV-RNA (PCR), CD4-Zellzahl, HIV-Viruslast, Hepatitis-B- und -C-Tests, VDRL |

Op. Dr. Ömer Melih Aygün
Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe / Erfahrener Spezialist für Unfruchtbarkeit
Von dem türkischen Gesundheitsministerium zertifizierter Spezialist für Unfruchtbarkeit. Seit 1997 Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Erfahrener Spezialist für Unfruchtbarkeit mit mehr als zwanzig Jahren Erfahrung in der Privatmedizin. 25 Jahre internationale Berufserfahrung.
In den letzten 9 Jahren hat er über 15.000 Eizellentnahmen durchgeführt.
Ein selbstständiger Profi mit ausgeprägten Kommunikations- und Problemlösungsfähigkeiten. Verfügt über ausgezeichnete zwischenmenschliche Fähigkeiten, um Konsens zu schaffen und Teamarbeit zu fördern.
Über mich KontaktWas ist Anti – HIV I – II?
Der Anti-HIV-I–II-Test ist ein Bluttest, der zum Nachweis von Antikörpern eingesetzt wird, die der Körper gegen HIV (Humanes Immundefizienz-Virus) Typ 1 und Typ 2 bildet. Er wird für das Screening und die Diagnose einer HIV-Infektion verwendet. Er zeigt das Vorhandensein von Antikörpern an, die vom Immunsystem nach Kontakt mit dem Virus produziert werden. Fällt der Test positiv aus, werden weiterführende Bestätigungstests durchgeführt. Für die frühzeitige Diagnose, die Einleitung der Therapie und die Verhinderung einer weiteren Übertragung ist er von kritischer Bedeutung.
Warum sind die heutigen Anti-HIV-Tests (4. Generation) besser?
Die in der Medizin verwendeten Tests entwickeln sich ständig weiter. Wenn heute von „Anti-HIV“ die Rede ist, sind damit meist „Kombinationstests der 4. Generation“ gemeint. Ihr größter Vorteil gegenüber älteren Tests ist, dass sie eine Infektion in einem deutlich früheren Stadium erfassen können.
Ältere Tests suchten ausschließlich nach „Antikörpern“. Bis der Körper Antikörper gegen ein Virus gebildet hat, vergeht jedoch Zeit – dieser Zeitraum kann bis zu 3 Monate betragen. Die Tests der 4. Generation hingegen untersuchen gleichzeitig sowohl Antikörper als auch das „p24-Antigen“, einen Bestandteil des Virus selbst. Das p24-Antigen kann sehr kurz nach der Infektion im Blut nachgewiesen werden, noch bevor Antikörper vorhanden sind.
Dadurch ergibt sich ein großer Vorteil in der kritischen Phase, die als „Fensterperiode“ bezeichnet wird. Die Fensterperiode ist der Zeitraum zwischen dem Eindringen des Virus in den Körper und dem Zeitpunkt, an dem der Test das Virus nachweisen kann. Bei Tests, die nur Antikörper erfassen, kann diese Phase bis zu 90 Tage betragen, während Tests der 4. Generation sie auf etwa 18–45 Tage verkürzen.
Eine IVF-Behandlung ist ein Wettlauf mit der Zeit und stellt sowohl emotional als auch finanziell einen bedeutsamen Prozess dar. Zu Beginn dieses Weges die Frage, ob eine Infektion vorliegt, innerhalb von 18–45 Tagen beantworten zu können, statt wochenlang zu warten, verhindert Verzögerungen der Behandlung und sorgt für ein Höchstmaß an Sicherheit für alle Beteiligten.
Was soll ich tun, wenn mein Anti-HIV-Test „positiv“ (reaktiv) ausfällt?
Dies ist die Frage, die unsere Patientinnen und Patienten am meisten beunruhigt. Das Erste und Wichtigste ist: Ein „positives“ oder „reaktives“ Ergebnis im Screeningtest bedeutet für sich genommen KEINE endgültige HIV-Diagnose. Es besagt lediglich, dass ein „Signal“ registriert wurde, das zwingend durch spezifischere Folgetests bestätigt werden muss.
Mitunter kann ein Test auch aus anderen Gründen als HIV ein „falsch positives“ Signal geben (z. B. nach durchgemachten Infektionen, bei Autoimmunerkrankungen oder sogar in der Schwangerschaft). Deshalb sollte man bei einem ersten positiven Ergebnis keinesfalls in Panik geraten, sondern zunächst den Abschluss des Bestätigungsalgorithmus abwarten.
Die Schritte in diesem Algorithmus sind:
- Schritt 1: Screeningtest (in der Regel ein Antigen/Antikörper-Kombinationstest der 4. Generation)
- Schritt 2: Bestätigungstest (Differenzierungstest für Antikörper gegen HIV-1/HIV-2)
- Schritt 3: Klärungstest (falls erforderlich NAT/PCR)
Fällt der erste Screeningtest (Schritt 1) positiv aus, wird mit derselben Blutprobe unmittelbar Schritt 2 durchgeführt. Ist der Bestätigungstest ebenfalls positiv, gilt die Diagnose als gesichert.
Mitunter stoßen wir auf eine klinisch bedeutsame Konstellation: Der erste Test (4. Generation) ist positiv, der Bestätigungstest auf Antikörper jedoch negativ oder „unklar“. Dies kann entweder bedeuten, dass der erste Test falsch positiv war oder dass sich die Person in der sehr frühen Phase einer sogenannten „akuten Infektion“ befindet. In dieser Phase hat der Körper noch keine Antikörper gebildet, doch das p24-Antigen (das Virus selbst) ist bereits im Blut nachweisbar. Um diese verwirrende Situation zu klären, kommt Schritt 3 zum Einsatz – der „Nukleinsäuretest (NAT)“ oder PCR, der direkt nach dem genetischen Material (RNA) des Virus sucht. Ist der NAT positiv, entspricht dies der Diagnose einer akuten HIV-Infektion.
Wie beeinflusst eine HIV-Diagnose Fruchtbarkeit und reproduktive Gesundheit?
HIV ist ein Virus, das nicht nur die Allgemeingesundheit, sondern auch das reproduktive Potenzial von Frauen und Männern – direkt oder indirekt – beeinflussen kann.
Welche Auswirkungen hat HIV auf die Fruchtbarkeit bei Frauen?
HIV führt im Körper zu einer anhaltenden Aktivierung des Immunsystems und zu chronischer Entzündung. Wenn das Virus nicht gut kontrolliert ist, kann dies das empfindliche hormonelle Gleichgewicht der Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse stören, die die Eierstöcke steuert. Dies kann zu Zyklusstörungen und Ovulationsproblemen führen.
Der vielleicht wichtigste Effekt auf die weibliche Fertilität ist jedoch indirekt. Bei HIV-positiven Frauen ist das Risiko für andere sexuell übertragbare Infektionen (wie Chlamydien oder Gonorrhö) erhöht. Diese Infektionen können zu einer entzündlichen Beckenerkrankung (PID) führen, die Schäden, Verwachsungen und eine Verlegung der Eileiter (Hydrosalpinx) verursacht. Verlegte Eileiter verhindern, dass die Spermien die Eizelle auf natürlichem Weg erreichen. Dieses Bild wird als „tubare Sterilität“ bezeichnet und erfordert in der Regel eine IVF-Behandlung.
Welche Auswirkungen hat HIV auf die Fruchtbarkeit bei Männern?
Das Virus kann auch das männliche Reproduktionssystem betreffen. Es kann direkt eine Entzündung der Hoden (Orchitis) verursachen und das empfindliche Gewebe schädigen, in dem die Spermienproduktion stattfindet. Dadurch kann der Prozess der Spermatogenese gestört werden.
In der Folge beobachten wir im Spermiogramm HIV-positiver Männer häufiger:
- Verminderte Spermienzahl (Oligospermie)
- Verminderte Spermienbeweglichkeit (Asthenozoospermie)
- Geringeren Anteil normal geformter Spermien (Teratozoospermie)
- Reduziertes Ejakulatvolumen
Daher ist es, selbst wenn es bei einem Kinderwunschpaar zunächst so aussieht, als liege das Problem ausschließlich bei der Frau, äußerst wichtig, bei bekannt HIV-positivem Mann eine detaillierte Spermaanalyse durchzuführen und einen möglichen „männlichen Faktor“ nicht zu übersehen.
Beeinflussen HIV-Medikamente (ART) die Spermienqualität?
Dies ist einer der wichtigsten Aspekte, die wir bei der Planung einer IVF-Behandlung berücksichtigen. Die antiretrovirale Therapie (ART), also die Medikamente zur Behandlung von HIV, ist lebenswichtig, um das Virus zu unterdrücken und der betroffenen Person ein gesundes Leben zu ermöglichen. Diese Medikamente dürfen keinesfalls abgesetzt werden.
Gleichzeitig können einige dieser lebensrettenden Medikamente unerwünschte Effekte auf die Keimzellen haben. Spermien sind besonders empfindlich gegenüber solchen Einflüssen. Es ist bekannt, dass bestimmte Medikamente toxische Wirkungen auf die „Mitochondrien“ – die Kraftwerke, die die Energie für die Bewegung der Spermien liefern – ausüben können.
Die klinisch wichtigste Folge ist die „Spermien-DNA-Fragmentation“ (SDF), also das Auftreten von Brüchen im genetischen Material (DNA), das der Spermienkopf enthält. Ein hoher DNA-Schaden vermindert die Befruchtungsfähigkeit des Spermiums; selbst wenn die Befruchtung gelingt, kann die Embryoqualität beeinträchtigt sein und es kann zu Fehlgeburten kommen.
Genau hier kommen moderne IVF-Techniken zum Einsatz. Auch wenn die Beweglichkeit der Spermien reduziert ist oder ein hohes Risiko für DNA-Schäden besteht, ermöglicht die „Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)“, dass im Labor ein einzelnes, gesundes Spermium ausgewählt und direkt in die Eizelle injiziert wird. ICSI ist die stärkste Therapieoption, mit der wir die negativen Effekte dieser Medikamente auf die Spermien und das Risiko eines Befruchtungsversagens umgehen können.
Was ist die wichtigste Regel, die HIV-positive Personen vor der Familiengründung kennen sollten?
Das wichtigste, nicht verhandelbare Ziel auf dem Weg zur Elternschaft ist es, die Viruslast des HIV-positiven Partners (oder der Partner) auf ein „nicht nachweisbares“ Niveau zu senken und dort zu halten.
Die Viruslast gibt an, wie viele Viren sich in 1 Milliliter Blut befinden. Eine „nicht nachweisbare Viruslast“ bedeutet, dass die Person ihre Therapie zuverlässig einnimmt und die Virusmenge im Blut unter die Nachweisgrenze der Tests (in der Regel 20–50 Kopien/ml) gesunken ist.
Dies bildet die Grundlage des bahnbrechenden Prinzips in der modernen HIV-Therapie „U = U“ („Undetectable = Untransmittable“ – „Nicht nachweisbar = Nicht übertragbar“). Wissenschaftliche Studien haben eindeutig gezeigt, dass eine Person, deren Viruslast seit mindestens sechs Monaten nicht nachweisbar ist, ein NULL-Risiko hat, den Virus sexuell auf ihren Partner zu übertragen.
Daher gilt vor jeder IVF-Behandlung oder jedem Versuch einer natürlichen Empfängnis als „goldene Regel“, dass der HIV-positive Partner mindestens 6 Monate unter stabiler ART-Therapie steht und laborbestätigt eine nicht nachweisbare Viruslast hat.
Vorteile einer nicht nachweisbaren Viruslast:
- Schützt das eigene Immunsystem und die Allgemeingesundheit
- Verhindert die sexuelle (horizontale) Übertragung auf den Partner
- Verhindert die Übertragung von der Mutter auf das Kind (vertikale Transmission) während der Schwangerschaft
Früher wurde in serodiskordanten Paaren (ein Partner HIV-negativ) empfohlen, dass der negative Partner zur Prophylaxe ein Medikament namens „PrEP“ einnimmt. Durch das U=U-Prinzip ist dies, sofern die Viruslast des positiven Partners nicht nachweisbar ist, keine medizinische Notwendigkeit mehr, sondern ein optionaler zusätzlicher Schutz, für den sich das Paar entscheiden kann, um sich sicherer zu fühlen.
Welche IVF-Verfahren werden bei HIV angewandt?
Das Vorliegen von HIV steht einer Elternschaft nicht im Weg; es bestimmt lediglich, welches Protokoll und welche Labortechnik zum Einsatz kommen. Das gewählte Verfahren hängt davon ab, welcher Partner HIV-positiv ist.
- Wenn der Mann HIV-positiv ist:
Dieses Szenario erfordert die sorgfältigste Labormanipulation, um eine Übertragung des Virus auf die Mutter oder den Embryo zu verhindern.
Grundvoraussetzung ist, dass die Viruslast des Mannes „nicht nachweisbar“ (U=U) ist.
Die gewonnene Samenprobe wird nicht direkt verwendet. Zunächst wird sie im andrologischen Labor einer speziellen Prozedur unterzogen, die als „Spermienwäsche“ bezeichnet wird. Dabei werden gesunde Spermien vollständig von der Samenflüssigkeit und anderen Zellen, in denen sich das Virus befinden kann, getrennt.
Die so gewonnenen sauberen und gesunden Spermien werden anschließend mittels „Intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI)“ direkt in die aus der Frau gewonnenen Eizellen injiziert.
ICSI erfüllt hier zwei Funktionen: Erstens stellt die Auswahl eines einzelnen Spermiums, das vollständig von umgebender Flüssigkeit getrennt ist, einen letzten Sicherheitsschritt dar, der das theoretische Übertragungsrisiko auf null senkt. Zweitens hilft sie, potenzielle negative Effekte von HIV und ART-Medikamenten auf die Spermienqualität (verminderte Beweglichkeit, DNA-Schäden) zu überwinden und die Befruchtung zu sichern.
Die Sicherheitsbilanz dieses Protokolls ist exzellent; bei korrekter Anwendung wurden keine Fälle einer Übertragung vom Vater auf die Mutter oder das Kind berichtet.
- Wenn die Frau HIV-positiv ist:
Dank des U=U-Prinzips ist dieses Szenario deutlich einfacher.
Die einzige absolute Voraussetzung ist, dass die Viruslast der Frau vor der Schwangerschaft und während der gesamten Schwangerschaft „nicht nachweisbar“ (U=U) ist.
Ist die Viruslast der Frau nicht nachweisbar und liegt beim Paar keine weitere Ursache für eine Unfruchtbarkeit vor (z. B. Tubenverschluss, Spermienproblem), besteht nach dem U=U-Prinzip kein Risiko einer sexuellen Übertragung auf den Mann. Diese Paare können daher gefahrlos versuchen, auf natürlichem Weg schwanger zu werden.
Eine IVF-Behandlung wird nur dann eingesetzt, wenn eine zusätzliche Ursache der Unfruchtbarkeit vorliegt (z. B. tubare Sterilität infolge HIV-assoziierter PID oder höheres maternales Alter). In diesem Fall unterscheidet sich der Laborablauf nicht von einer Standard-IVF-Behandlung.
- Wenn beide Partner HIV-positiv sind:
Ziel ist es, bei beiden Partnern eine nicht nachweisbare Viruslast zu erreichen. Im Labor werden mögliche Spermienqualitätsprobleme beim Mann (bedingt durch HIV und ART) berücksichtigt. Um die Schwangerschaftschancen zu maximieren, wird – obwohl zwischen den Partnern kein Übertragungsrisiko besteht – meist die effektivste Befruchtungsmethode, die „Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)“, als erste Wahl empfohlen.
Was ist „Spermienwäsche“ und wie beseitigt sie das HIV-Risiko?
„Spermienwäsche“ ist ein hoch technologisiertes Laborverfahren, das angewendet wird, wenn der männliche Partner HIV-positiv ist. Das Prinzip dahinter lautet: HIV befindet sich nicht in gesunden, beweglichen Spermien. Das Virus liegt hauptsächlich frei in der Samenflüssigkeit („seminale Plasma“) und in anderen Zellen wie Leukozyten (weißen Blutkörperchen) vor.
Das Verfahren der Spermienwäsche ist darauf ausgelegt, gesunde, bewegliche Spermien von dieser riskanten Flüssigkeit und den übrigen Zellen zu trennen. Es wird in der Regel in zwei Schritten durchgeführt:
- Erster Schritt: Dichtegradient (Density Gradient)
- Zweiter Schritt: „Swim-Up“
Im ersten Schritt (Gradient) wird die Samenprobe auf eine Flüssigkeit mit verschiedenen Dichteschichten gegeben und mit hoher Geschwindigkeit zentrifugiert. Dabei setzen sich schwere, gesunde, bewegliche Spermien am Boden ab, während Samenflüssigkeit, Viruspartikel, Leukozyten und geschädigte Spermien in den oberen Schichten verbleiben. Der obere, riskante Anteil wird verworfen, und nur die untere Schicht mit den gesunden Spermien wird weiterverwendet.
Im zweiten Schritt (Swim-Up) wird über diese Schicht ein frisches Kulturmedium gegeben. Nur die beweglichsten und gesündesten Spermien „schwimmen“ aktiv in die obere saubere Schicht. Nur diese saubere Fraktion wird gesammelt und für die Mikroinjektion verwendet.
Diese zweistufige Filtration reduziert die Viruslast um mehr als 99,99 % und senkt in Kombination mit ICSI das Übertragungsrisiko faktisch auf null.
Was wird getan, um eine HIV-Übertragung während Geburt und Stillzeit zu verhindern?
Nach Eintritt einer Schwangerschaft besteht das Ziel darin, dass das Kind HIV-negativ zur Welt kommt. Der wichtigste Faktor, um das Übertragungsrisiko von der Mutter auf das Kind auf weit unter 1 % zu senken, ist die konsequente Fortführung der ART-Therapie während der gesamten Schwangerschaft und die Aufrechterhaltung einer „nicht nachweisbaren“ Viruslast.
Wie wird die Geburtsart festgelegt?
Früher wurde HIV-positiven Müttern routinemäßig ein Kaiserschnitt empfohlen, doch dieser Ansatz hat sich grundlegend geändert. Heute wird die Entscheidung auf Grundlage der Viruslast zum Zeitpunkt der Geburt getroffen.
- Ist die Viruslast nicht nachweisbar (<50 Kopien/ml): Eine normale (vaginale) Entbindung ist sicher.
- Ist die Viruslast hoch (>1000 Kopien/ml) oder unbekannt: Um den Kontakt des Babys mit dem Virus beim Durchtritt durch den Geburtskanal zu verhindern, wird ein geplanter Kaiserschnitt empfohlen.
Welche Maßnahmen werden nach der Geburt ergriffen?
Allen Babys, die von HIV-positiven Müttern geboren werden, wird innerhalb der ersten Stunden nach der Geburt ein prophylaktischer antiretroviraler Sirup (Post-Exposure Prophylaxis – PEP) verabreicht. Dies ist eine Sicherheitsmaßnahme, um zu verhindern, dass sich ein möglicher während der Geburt aufgetretener Viruskontakt im Körper des Kindes etabliert. Je nach Risikoeinstufung der Mutter (niedriges oder hohes Risiko) wird dieser prophylaktische Sirup über 2 bis 6 Wochen fortgeführt.
Kann eine HIV-positive Mutter ihr Baby stillen?
Dies ist eine der sensibelsten Fragen. HIV kann über die Muttermilch auf das Baby übertragen werden. In Ländern mit sicherem und dauerhaftem Zugang zu sauberem Wasser und Säuglingsnahrung (wie z. B. in der Türkei) lautet die Standardempfehlung, um das Risiko auf absolut null zu senken: „Ernährung mit Säuglingsnahrung aus der Flasche“.
Moderne Ansätze weisen jedoch auch darauf hin: Wenn die Mutter während Schwangerschaft und Stillzeit ihre Therapie vorbildlich einhält und ihre Viruslast dauerhaft nicht nachweisbar bleibt, liegt das Übertragungsrisiko über die Muttermilch bei unter 1 % (aber nicht bei null). Eine Mutter, die sich dieses sehr geringen Restrisikos bewusst ist, es akzeptiert und sich das Stillen sehr wünscht, kann bei sehr engmaschiger Überwachung (mit häufigen Viruslastkontrollen bei Mutter und Kind) in dieser Entscheidung unterstützt werden. Es handelt sich hierbei um eine „gemeinsame Entscheidung“, die unbedingt zusammen mit der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt getroffen werden muss.
Wie werden Eizellen und Spermien HIV-positiver Patientinnen und Patienten im Labor gelagert?
Eine der wichtigsten Aufgaben von IVF-Laboren ist es, das Risiko einer „Kreuzkontamination“ – also die Möglichkeit, dass Proben verschiedener Patientinnen und Patienten miteinander in Kontakt kommen – selbst auf theoretischer Ebene auszuschließen.
Hierzu werden strenge Regeln angewendet, die als „universelle Vorsichtsmaßnahmen“ bezeichnet werden. Sie sehen vor, dass alle Blut-, Samen- und Eizellproben, die im Labor eingehen, so behandelt werden, als seien sie potenziell infektiös.
Grundlegende Maßnahmen zur Laborsicherheit bei Proben HIV-positiver Patientinnen und Patienten sind:
- Arbeiten in speziellen, zertifizierten Sicherheitswerkbänken (Biological Safety Cabinets)
- Verwendung vollständiger Schutzausrüstung (Handschuhe, Kittel, Schutzbrille)
- Verwendung separater, steriler Einwegmaterialien (Pipetten, Röhrchen, Schalen) für jede Person
- Zu jedem Zeitpunkt wird nur mit der Probe einer einzigen Person gearbeitet
Die wichtigste und nicht verhandelbare Regel betrifft jedoch das Einfrieren und Lagern. Sämtliche eingefrorenen Spermien, Eizellen und Embryonen von Patientinnen und Patienten mit blutübertragbaren Infektionen wie HIV oder Hepatitis B/C werden in speziellen Kryotanks gelagert, die ausschließlich für solche Proben vorgesehen sind, räumlich strikt von den Proben anderer Personen getrennt und dauerhaft als „infektiös“ gekennzeichnet sind. Diese räumliche Trennung stellt sicher, dass es selbst in flüssigem Stickstoff zu keiner Kreuzkontamination kommt. Dank dieser Protokolle ist bislang in Laboren der assistierten Reproduktion kein Fall einer Kreuzkontamination berichtet worden.
Häufig gestellte Fragen
Wann kann der Anti-HIV-I-II-Test eine HIV-Infektion nachweisen?
Der Anti-HIV-Test wird in der Regel 2 bis 6 Wochen nach Kontakt mit dem Virus positiv. Für ein möglichst sicheres Ergebnis wird eine Testung nach Ablauf der 3-monatigen Fensterperiode empfohlen.
Was ist zu tun, wenn der Anti-HIV-I-II-Test positiv ist?
Ein positives Ergebnis muss unbedingt mit Bestätigungstests (z. B. Western Blot oder PCR) abgesichert werden. Vor der Bestätigung dürfen weder Therapien eingeleitet noch endgültige Diagnosen gestellt werden.
Kann der Anti-HIV-Test in der Frühphase falsch negativ sein?
Ja. In der frühen Phase, der sogenannten Fensterperiode, kann die Immunantwort noch unzureichend sein, sodass der Test negativ ausfällt. Eine Wiederholung des Tests 3 Monate nach dem Risikokontakt wird empfohlen.
Warum wird der Anti-HIV-I-II-Test in der Schwangerschaft durchgeführt?
Der HIV-Test in der Schwangerschaft dient dazu, eine Übertragung des Virus auf das Baby zu verhindern. Bei frühzeitiger Diagnose und geeigneter Behandlung kann das Übertragungsrisiko von der Mutter auf das Kind auf unter 1 % gesenkt werden.
Ist für den Anti-HIV-Test Nüchternheit erforderlich?
Nein. Der Anti-HIV-Test kann unabhängig davon durchgeführt werden, ob die Person nüchtern ist oder nicht. Er kann zu jeder Tageszeit erfolgen und erfordert keine besondere Vorbereitung.
Untersucht der Anti-HIV-I-II-Test den Zustand des Immunsystems?
Nein. Dieser Test weist Antikörper gegen HIV nach. Er gibt zwar indirekte Hinweise auf die Immunantwort, sein Hauptzweck ist jedoch der Nachweis einer HIV-Infektion.
Ist der Anti-HIV-Test bei HIV-positiven Personen immer positiv?
Ja. Bei Menschen mit HIV bleibt der Antikörperspiegel dauerhaft positiv. In bestimmten Zuständen der Immunschwäche kann der Test jedoch irreführend sein, sodass zusätzliche Untersuchungen erforderlich werden.
Lässt sich mit dem Anti-HIV-Test das Krankheitsstadium bestimmen?
Nein. Dieser Test zeigt lediglich das Vorliegen einer Infektion. Zur Bestimmung des Krankheitsstadiums oder der Immunlage sind weiterführende Untersuchungen wie CD4-Zellzahl und HIV-RNA-Test notwendig.
Kann mit dem Anti-HIV-I-II-Test allein eine AIDS-Diagnose gestellt werden?
Nein. Eine AIDS-Diagnose kann nicht allein auf Basis einer Anti-HIV-Positivität gestellt werden. Hierfür müssen CD4-Zellzahl, HIV-RNA-Menge und klinische Befunde gemeinsam bewertet werden.
Wie zuverlässig ist der Anti-HIV-Test?
Moderne Anti-HIV-Tests sind sehr sensitiv und zuverlässig. Sie sollten zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt und alle positiven Ergebnisse unbedingt mit Bestätigungstests abgesichert werden.
